Archiv der Kategorie: Usbekistan

Kulturerbe und Umweltproblem – Nukus

Eigentlich stehen wir ja irgendwie auf Städte im melancholischen postsowjetischen Zerfallszustand. Und nach den vielen Moscheen, Madrasas und antiken Ruinen der vergangenen Woche freuten wir uns richtig auf Nukus, die nicht einmal hundertjährige Hauptstadt der Region Karakalpakistan im Nordwesten Usbekistans.

Seit ihrer Gründung 1932 war Nukus bis in die 1960er Jahre eine blühende Stadt in der Wüste, gelegen am mächtigen Fluss Amudarja und am Aralsee. Von beiden Lebensadern sind heute nur noch kümmerliche Reste übrig, da das meiste Wasser im Osten des Landes für riesige Baumwoll-Monokulturen abgeleitet wird und weder Nukus noch den Aralsee erreicht. Die Folgen für die Stadt sind fatal: Sie leidet unter Salz- und Pestizidhaltigen Sandstürmen, und hoher Arbeitslosigkeit durch den wirtschaftlichen Abschwung der ganzen Region.

Der kümmerliche Rest des Amudarja bei Nukus
Der kümmerliche Rest des Amudarja bei Nukus

Die erste “Abwechslung”, wenn auch nicht im positiven Sinn, brachte unser Hotel. Wenn man in der ehemaligen Sowjetunion in ein Hotel eincheckt, das den gleichen Namen wie die Stadt trägt, ist man bekannterweise selbst Schuld. Das Hotel Nukus in Nukus macht da keine Ausnahme.

Die Kneipenschlägerei die wir beim WM-Schauen am gleichen Abend mitkriegten vervollständigte das Bild der deprimierten Stadt. Zwar wurden wir von drei sehr netten aber zwielichtigen Herren eingeladen, viel Bier zu trinken und die Agression am Nebentisch zu ignorieren, die Stimmung aber war irgendwie zerstört, genauso wie die mühevoll eingerichtete Fussball-WM-Beamer-Anlage.

Ein Lichtblick für die Stadt ist das Savitsky-Museum: Sein Gründer Igor Savitsky baute bis zu seinem Tod 1984 eine immense Kunstsammlung auf, die zu einem grossen Teil ehemals “verbotenen” Stilrichtungen angehört. Stalin tat während seiner Regentschaft sein Bestes, alle Nicht-Sowjetische Kunst zu eliminieren. Viele Künstler landeten in Arbeitslagern, und nicht wenige flohen weit weg von Moskau, um dort weiter zu arbeiten. Nur durch seine Abgelegenheit in Nukus überlebte auch die Savitsky-Sammlung. Sie ist heute der einzige Grund, warum die französischen Reisegruppen nicht schon in Buchara oder Khiva kehrt machen.

Dank Savitsky verirren sich die Kulturinteressierten iPad-Fotografen bis nach Nukus
Dank Savitsky verirren sich die kulturinteressierten iPad-Fotografen heute bis nach Nukus

Leider gibts vom Museum kein Foto, da die Fotoerlaubnis etwa zehnmal soviel gekostet hätte wie der Eintritt. Hier aber der Trailer zur Doku “The Desert of Forbidden Art“.

Unseren letzten Tag in Usbekistan verbrachten wir mit einem Ausflug nach Moynaq, einem früheren Fischerdorf welches heute 200km vom Aralsee entfernt liegt. Hier wurde uns nochmal, unverschämt fotogen, das Ausmass dieser unglaublichen, vom Mensch verursachten Umweltkatastrophe vor Augen geführt.

Am nächsten morgen ging die Reise weiter…

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Stan nummer drei: Turkmenistan!

Seidenstrassen Weltkultur Episode III: Khiva

Der krönende Abschluss unserer Weltkultur Reisen bildete Khiva mit seinem sowjetischen Riesenrad. Per Taxi rumpelten wir bequem durch die Wüste von Buchara nach Khiva. Dort mieteten wir uns ein in ein B&B mitten in der Altstadt.

So sieht eine Strasse in der Wüste aus
So sieht eine Strasse in der Wüste aus
Kizilkum Wüste
Kizilkum Wüste

Auch Khiva wurde von Dschingis Khan erobert, bildete eine wichtige Handelsstadt der Seidenstrasse und bestand einige Zeit als eigenständiger Staat (Khanat Khiva damals). Uns als angewandte Naturwissenschaftler interessierte auch, dass Khiva angeblich die Geburtsstadt von Abu Dscha’far Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi war, von dessen Namen der Begriff “Algorithmus” abgeleitet wurde. Dies zu einer Zeit (8./9. Jh), als bei uns die wenigsten Leute an Wissenschaft interessiert waren und das Mittelalter erst gerade begonnen hatte.

Die Russen zeigten erstmals Interesse an Khiva, als in der Nähe Gold entdeckt wurde. 1873 schafften sie es schliesslich die Stadt zu erobern und integrierten sie in der Folge in die usbekische SSR, und hinterliessen ein astreines sowjetisches Riesenrad (Modell Tschernobyl) doch dazu später noch mehr.

Wie die ersten beiden Episoden der Seidenstrassen Weltkultur gibt es auch in Khiva Moscheen, Madrasen und Minarette, zusätzlich jedoch eine Stadtmauer und eine Burg (Ark genannt), wo früher der Khan vom Khanat (daher der Name) gewohnt hat.

Heute kommen die französischen Reisegruppen nach Khiva, um das nicht fertig gebaute Kalta Minor Minarett mit dem iPad zu fotografieren. Dieses Minarett sollte ursprünglich das grösste der muslimischen Welt werden, wurde aber aus irgendwelchen Gründen (Geld?) nicht fertig gebaut.

Nachdem soviel Geschichte unsere Köpfe benebelt hatte, dachten wir es wäre eine gute Idee das Riesenrad auszuprobieren. Gesagt – getan – und zum Glück nicht bereut. Bei näherer Betrachtung der Anlage hätten wir uns vielleicht anders entschieden. Auf jeden Fall ist das Riesenrad nicht zusammengebrochen als wir darauf waren – Glück gehabt.

 

Seidenstrasse Weltkultur Episode II: Buchara

Der Bus von Samarkand nach Buchara war zunächst angenehm, wenn auch ohne Klimaanlage dafür mit offenen Fenstern. 50 km vor Buchara jedoch hatte sich die Passagierzahl erheblich verkleinert, sodass aus ökonomischen Gründen alle in einen Minibus umsteigen mussten, was der Bequemlichkeit eher weniger dienlich war. Zum Glück trafen wir Aziz, der an uns seine drei Brocken Deutsch übte und uns dafür half, unser Hotel ohne Taxi zu erreichen.

Wenn auch hier ein bisschen verwirrend - wir landeten trotzdem in Buchara
Wenn auch hier ein bisschen verwirrend – wir landeten trotzdem in Buchara
Aziz und Samuel nach Ankunft in Buchara
Aziz und Samuel nach Ankunft in Buchara

Buchara liegt an einer Oase mitten in der Wüste und war noch bis vor ein paar Jahrzehnten ein Emirat, das von diesem sympathischen Herren beherrscht wurde.  1920 eroberten die russischen Kommunisten Buchara und bereiteten dem monarchischen Dasein der Oasenstadt ein Ende. Zuvor spielte die Stadt eine wichtige Rolle auf der Seidenstrasse und wurde unter anderem auch von Dschingis Khan erobert (und konsequenterweise Plattgemacht).

Zu sehen gibt es in Buchara nebst der pittoresken Altstadt mit vielen Medressen und Moscheen folgendes:

Die grosse Kalon – Moschee, welche unter den Kommunisten als Warenhaus diente, heute jedoch wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllt (beten und solche Sachen).
Neben der Moschee steht das berühmte Kalon-Minarett. Dieses überstand den Mongolensturm auf Grund seiner Schönheit (sagt man) und ist somit das älteste Bauwerk von Buchara.
Gegenüber steht die Mir-i-Arab Madrase, wo heute noch Leute in muslimischen Dingen unterrichtet werden.

All diese Schönheit wurde vom demokratischen Regime Usbekistans natürlich auch erkannt. So drehte die begabte Tochter des Präsidenten Gulnara Karimova alias Googoosha ein Musikvideo, das vermutlich nicht Einzug in die Musikgeschichte halten wird.
Nebst dieser künstlerischen Tätigkeit verfügt Gulnara Karimova standesgemäss über weitere Talente, so ist das Nachtleben Taschkents fest in ihrer Hand und sie ist Besitzerin einer Kleiderkette. Zur Zeit ist sie jedoch aus anderen Gründen in den Schlagzeilen (auch in der Schweiz) und verbringt ihre Tage nicht in ihrer Villa am Genfersee, sondern in einer Gefängniszelle in Usbekistan. Je nach Lesart ist sie das unschuldige Opfer eines Komplotts (wie sie selbst in einem Brief an die BBC beschreibt) oder in den grössten Schmiergeldskandal der Schweiz verwickelt.

Inspiriert von ihrem Musikvideo beschlossen wir die Burg von Buchara zu besuchen. Da es um diese Jahreszeit in der Wüste jedoch sehr heiss wird, konnten wir erst am Abend dorthin laufen.

Heiss: Buchara
Heiss: Buchara

Als wir beim Tor ankamen, hatte die Tagesequipe gerade Feierabend, aber der wachhabende Polizist hatte Freude an uns, und liess uns für ein, zwei Notenbündel sogar den zerfallenen Teil der Burg besichtigen.

Und zum Schluss noch dies:
Fotos von Buchara, die wir euch gerne zeigen möchten, aber oben bisher nirgends hingepasst haben.

 

Seidenstrasse Weltkultur Episode I: Samarkand

Seit dem letzten Unesco Weltkulturerbe ist ja schon einige Zeit vergangen. Höchste Zeit wieder eines zu besuchen. Zwischen Taschkent und Samarkand liegt eine gutausgebaute Zugstrecke auf der auch ein spanischer Hochgeschwindigkeitszug – der Afrosiab – verkehrt. Leider fuhr der zu früh am Morgen, sodass uns der etwas langsamere Sharq Zug nach Samarkand transportierte.

Mit Samarkand begann die dreiteilige Usbekistan – Unesco – Weltkulturerbe Episode unserer Reise. Und bevor wir euch einiges über die Sehenswürdigkeiten erzählen – hier schon einmal ein paar Eindrücke der Stadt, abseits der Tourismisierzentren:

Samarkand kam als Handelsstadt der Seidenstrasse zu Reichtum und hat eine abwechslungsreiche Geschichte. Schon in der Antike war die Stadt als Marakanda bekannt. Die lange Vorgeschichte kann man jedoch im Stadtbild  nur bedingt erkennen, denn Dschingis Khan hat 1220 die Stadt effizient plattgemacht.
Nachdem er Peking erobert hatte, wollte Dschingis Khan eigentlich mit Zentralasien Handel treiben, und sandte eine Karawane zum choresmischen Hof. Als diese die Stadt Otrar erreichten befiel den lokalen Gouverneur die Angst, es könnten sich Spione unter den Händlern finden und liess folglich alle ermorden.  Dschingis Khan jedoch erfuhr davon und so beschloss er auf Strafexpedition zu gehen und beruhigte sich erst als er fast ganz Eurasien erobert hatte (beziehungsweise starb).

Nachdem Zerfall des Mongolenreiches 150 Jahre später ergriff Timur (der lahme Tamerlane) die Gunst der Stunde und eroberte von Samarkand aus ein riesiges Reich bis zum Bosporus. Er betrachtete sich als legitimer Nachfolger Dschingis Khans (das können heutzutage gemäss Schätzungen ca. 8 % der Bevölkerung im asiatischen Raum von sich behaupten) und wollte dessen Reich wieder vereinen (nicht unbedingt auf die Blüemli-Hippie-Weise). Timur war nicht nur ein grausamer Kriegstreiber, sondern auch ein Förderer der Künste und der Wissenschaften. So holte er Gelehrte und Künstler nach Samarkand.  Unter seiner und seiner Nachfolger Herrschaft wurde das Bild Samarkands geprägt von den blau glasierten Mosaikmuster an Moscheen (Kirchen auf islamisch) und Madrasen (islamische Schulen – nicht zu verwechseln mit Koranschulen). Dieser Baustil wird heute dementsprechend timuridisch genannt.
Heute pilgern schätzungsweise Millionen französische (warum Franzosen, die haben doch la crise?) Reisegruppen nach Samarkand um den Registan zu bewundern. Der Registan besteht aus drei Madrasen – der Ulugbek, der Tilya Kori und der Sher Dor Madrasa, eine kunstvoller als die andere, um einen zentralen Platz gelegen, der bis in die Neuzeit als Marktplatz diente jetzt jedoch als Sammelplatz für Reisegruppen. Der ganze Komplex wurde von den Sowjets renoviert und bildet das Zentrum touristischer Aktivität in Samarkand. Um dies so zu belassen wurde rund um die belebte Stadt eine Mauer gebaut. Diese Mauer soll verhindern, dass sich irgendwelche dummen Touristen an Orte verirren, die nicht ganz so schön renoviert wurden.

Berühmt ist heute unter anderem auch die Bibi Khanum Moschee, diese wurde der Legende nach im Auftrag von Bibi Khanum – der chinesischen Lieblingsfrau von Timur, während dessen Abwesenheit (kriegerische Expansion etc) als Überraschung gebaut. Der Architekt jedoch verliebte sich in Bibi Khanum und wollte die Moschee erst dann fertig bauen, wenn er einen Kuss bekäme. Als Timur zurück kam, erfuhr er davon (offiziell: “sah er die Spuren des Kusses auf Bibis Wange”, wir denken: Chlägelitätsch). Also liess er den Architekten hinrichten und verlangte von allen Frauen sich zu verschleiern. So geht das!

Und dann ist da noch das Gur-Emir-Mausoleum zu bewundern. Die Leiche von Timur schaffte es aus olfaktorischen Gründen nicht von Schymkent in Kasachstan bis zum extra dafür gebauten Mausoleum in seiner Geburtsstadt Schahrisabz, sondern wurde in Samarkand im schon bestehenden Mausoleum von Timurs Lieblingsenkel Muhammed Sultan begraben. Auch das ein fotogenes Bauwerk.

Und sonst?…

…waren wir noch im archäologischen Museum, das vor allem durch seine Konzeptlosigkeit glänzte, aber über eine Klimaanlage verfügte.
…tranken wir echten französischen Champagner mit dem ehemaligen Schlagzeuger von Georges Moustaki.
…kauften wir auf dem Bazar Scharia Kleidung für Nathalie.
…und spülten Lachman, Plov und Schaschlik mit usbekischem Bier herunter.

Taschkent

Aus dieser Stadt gäbe es eigentlich nicht viel zu erzählen, wäre Taschkent nicht Hauptstadt und diktatorisches Machtzentrum von Usbekistan.

Die einzige touristische Aktivität, für die wir uns Zeit genommen haben, war der Besuch des Eisenbahnmuseums – eine bunte Sammlung von sowjetischen Maschinen, die gewisse Mitreisende sich nicht entgehen lassen wollten. Deshalb muss ich (Samuel) diesen Artikel schreiben und euch mit vielen Fotos langweilen beglücken.

Angetan hat es uns in Taschkent auch die Metro. In den wunderschönen Stationen fühlt man sich in die siebziger Jahre zurückversetzt, und das völlige Fehlen von Werbung ist richtig entspannend. Da das Metrosystem in einen Atomschutzbunker umfunktionierbar ist, darf man leider nicht fotografieren. Für dieses Foto der Station “Kosmonavtlar” haben wir die Deportation riskiert, aber es hat sich gelohnt:

Kosmonavtlar
Kosmonavtlar

In Taschkent konnten wir uns auch mit dem usbekischen Geld vertraut machen. Die Hundertdollarscheine die wir seit Bischkek mit uns rumtragen, tauschten wir im Schwarzmarkt gegen je dreihunderttausend “Som” ein (Bei der Bank oder am Bankomat würden wir etwa 30% weniger kriegen). Da man in Usbekistan davon überzeugt ist, dass die Inflation bald gestoppt und umgekehrt(!) wird, hat die grösste gebräuchliche Note einen Wert von 1000 Som (Die neuen 5000er sind noch ziemlich selten). Das sieht dann so aus wie im folgenden Bild, wir mussten das Portemonnaie gegen eine Umhängetasche tauschen.

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So sehen fünfzig Franken in Usbekistan aus

Daneben kriegten wir in Taschkent vor allem einen kurzen Einblick in den autoritären Polizeistaat der Usbekistan heute ist:

  • Uniformierte Menschen an jeder Strassenecke (buchstäblich)
  • Strenges Fotografierverbot von öffentlichen Gebäuden, Infrastruktur, etc. (Im Zweifelsfall einen der oben genannten Uniformierten fragen, weit kann er nicht sein)
  • Passkontrolle und Registrierung an Checkpoints alle paar Kilometer auf der Strasse, vor jeder Metrofahrt, um ein Zugbillet zu kaufen, etc.

Diktator Karimov war 1991 Chef der kommunistischen Partei der usbekischen Republik. Nach dem Zerfall der Sowjetunion benannte er seine Partei kurzerhand um zur “Volksdemokratischen Partei Usbekistan” und liess sich mit überwältigender Mehrheit zum ersten Präsidenten wählen. Seither hält er seine Macht mit den bewährten Methoden eines seriösen Diktators:

Die internationale Gemeinschaft drückt grosszügig beide Augen zu, so lange das wertvolle Erdgas weiter fliesst (Europa), und man die Militärbasen für Operationen in Afghanistan nutzen kann (USA).

Nach zwei Nächten im Gasthaus “Gulnara” (Zur Bedeutung dieses Namens schreibt Nathalie bald noch was) verliessen wir die Usbekische Hauptstadt ohne ihr eine Träne nachzuweinen, in Richtung der Tourismusmetropole Samarkand. Dort ist der Polizeistaat gut hinter den renovierten Fassaden versteckt.

ein Vorgeschmack auf Samarkand - französische Reisegruppe
Ein Vorgeschmack auf Samarkand – französische Reisegruppe im besten Alter

Von Karakol nach Taschkent in drei Schritten

1. Schritt: Sammeltaxi nach Bischkek

Der erste Teil dieser Odyssee war auch der einfachste: Rucksäcke packen, zum Busbahnhof laufen, Preis aushandeln, warten bis das Taxi voll ist, fahren, fahren, fahren, aussteigen, einchecken ins Hostel in Bischkek, dieselben Leute vom letzten Mal Bischkek treffen (inzwischen solche mit mehr Visa), Znacht essen und Bier trinken, schlafen, aufstehen, Rucksäcke packen, Geld holen (мы любим KazKom Банк) und zum Oschbazar düsen.

bye bye Issyk Köl
bye bye Yssykköl

 

2. Schritt: Sammeltaxi nach Osch

Die Fahrer nach Osch starten vom Osch Bazar in Bischkek (logisch, wo sonst?). Dort quetschten wir uns auf die Rücksitze eines Siebenplätzers nach einer kurzen Unterhaltung mit dem goldbezahnten Traineranzugtragenden Kollegen des Fahrers. “Where you from?” , “Ah Switzerland, watches!” und zeigte auf seine goldene Armbanduhr. Dann deutet er lachend auf den Fahrer: “Schumacher!” Nun wussten wir was uns erwarten würde.

Zu uns gesellten sich:

  •  ein Dreizehnjähriger Junge, der die Vorzüge des Smartphonezeitalter und Übersetzungsapplikationen zu nutzen wusste,
  • ein Mann um die 40 -nennen wir ihn Adilet– der uns zunächst Mal fünf Minuten anstarren musste, sich dann Sämis Telefon auslieh um nach Hause zu telefonieren und schliesslich Schumacher um sein Geld prellte,
  • eine junge russische Mutter, nachdem sie sich ausgiebig von Mann und Tochter verabschiedet hatte,
  • schliesslich eine Babuschka auf dem Beifahrersitz, welche den Grossteil der Strecke zu schlafen schien.

Schumacher machte seinem Namen alle Ehre und verhielt sich auf der schmalen Strasse, die über zwei Pässe führte – den Tor Ashuu Pass (3586m) und den Ala-Bel Pass (3184m) –  wie auf einer Formel 1 Rennstrecke. Trotz dem Tempo konnten wir den einen oder anderen Blick auf die wunderschöne Landschaft erhaschen.
Bald nach dem Abstieg ins Ferghanatal bogen wir auf eine Rumpelpiste ab und fuhren zu einem kleinen Dorf, wo Adilet schnell versprach das Geld für die Fahrt zu holen, ausstieg und nicht mehr gesehen war. Janu fuhren wir halt weiter der Grenze entlang bis nach Osch, wo wir uns ein schönes Zimmer gönnten für die letzte Nacht in Kirgistan.

3. Schritt: Sammeltaxi nach Taschkent

Am nächsten Tag packten wir unsere Rucksäcke strategisch für den Grenzübertritt nach Usbekistan.
Die Usbeken möchten nicht, dass Devisen aus dem Land getragen werden. Daher muss alles tuisig Geld bei Eintritt und bei Austritt deklariert werden. Es empfiehlt sich wie üblicherweise im Zusammenhang mit Beamten alles wahrheitsgetreu anzugeben.
Nun denn für unsere Verhältnisse früh morgens trafen wir beim Grenzübergang ein. Die Kirgisen waren relativ unkompliziert und stempelten uns nach mehrfacher Passkontrolle aus. So zogen wir weiter zum usbekischen Polizeistaat. Dort füllten wir den nötigen Papierkram aus und stellten uns den Beamten. Die eifrigste Beamtin war froh wieder einmal Französisch sprechen zu können. So erklärte sie uns, dass sie nur wissen wollen, was auf unseren Computern, CD’s (! wer hat schon CDs dabei?), USB Sticks ist, welche Medikamente wir dabei hätten und welche Bücher. Unerwünscht sind Pornographie, religiöse Bücher und politische Traktate.
Nachdem durch ausgiebiges Stöbern in unseren Fotos, Daten und Rucksäcken sichergestellt war, dass wir unschuldige Touristen sind, weder politische noch religiöse Ambitionen haben und keine Pornografie mittransportierten, durften wir passieren. Netterweise sagten uns die Beamten noch wie viel die Fahrt von der Grenze nach Taschkent kosten soll (15$). Kaum raus aus dem Reich der Grenzbeamten, trafen wir auf einen berndeutsch sprechenden Usbeken und sturzbetrunkene Taxifahrer die uns mit Guetzli beschenkten. Nach nur einer Stunde war ein Sammeltaxi gefüllt, und ein fast nüchterner “Schofjor” fuhr uns über mehrere Checkpoints und Passkontrollen nach Taschkent.