Archiv der Kategorie: Georgien

Batumi – Architektur und Russenstrand

In Batumi gibts viel moderne Architektur, etwas Kunst, und einen Russenstrand. Da unser Zeitbudget langsam knapp wurde, und es uns immer mehr nach Hause zog, haben wir in Batumi nur noch einen kleinen Zwischenstop eingelegt. Oberstes Ziel: Im schwarzen Meer baden. Der Strand aus geschliffenen Kieselsteinen war fast angenehmer als Sand, da nachher nicht in jeder Pore zu finden, und das Wasser war viel sauberer als erwartet.

Danach blieb noch etwas Zeit, die diversen ausgefallenen Gebäude und Kunstwerke zu besichtigen, welche die Küste säumen, bevor es am nächsten Tag weiter ging in die Türkei.

Zum Abschluss unseres Georgien-Reislis, hier noch ein Georgischer Parkplatz, als Teil unserer beliebten Parkplatz-Analysier-Serie. Diesmal ohne Schlussfolgerungen.

Georgischer Parkplatz: 1x Lada, 1x Kamaz, 2x Esel
Georgischer Parkplatz: 1x Lada, 1x Kamaz, 2x Esel

Kazbegi – wir haben Russland gesehen!

Kazbegi ist das Zermatt von Georgien, es ist ein Touristenort in den Bergen und hat einen hohen Berg als Wahrzeichen. Anders als Zermatt gibt es in Georgien viel weniger Touristen und der Hausberg von Kazbegi, der Kazbek (5047 m), ist um einiges höher als das Matterhorn (4478m).

Von Tiflis fahren stündlich Marschrutkas (Minibus-Sammeltaxis) nach Kazbegi, entlang der Georgischen Heerstrasse von der Hauptstadt in Richtung Russland nördlich des grossen Kaukasus. Diese schöne Strecke wurde schon von verschiedenen Schriftstellern beschrieben (unter anderem Puschkin und Dumas).

Wir hatten irgendwo (wahrscheinlich im Internet) gelesen, dass man von Kazbegi aus in einem Tag zum Gergeti Gletscher am Kazbek wandern kann. Bisher hatten wir auf unserer Reise ja noch keinen Gletscher von Nahem gesehen. Die anstrengende Wanderung führte 1600m hinauf und wieder hinab auf 22 km längs verteilt. Der Gergeti Gletscher auf 3300 m war kalt und schwarz und die Sonne hat ganz schön runter gebrannt. Aber wir sind ja hart im Nehmen und kraxelten den Berg hoch und wieder runter. Im Nachhinein sind wir uns einig, dass es sich gelohnt hat, wir jedoch das nächste Mal am Abend vor solch einer Wanderung keinen selbstgebrannten Schnaps von einem liebenswürdigen slowenischen Pärchen trinken sollten. Die spektakulären Aussichten waren die zwei, drei Blasen an den Füssen wert und da wir nun Russland gesehen haben (der Gipfel des Kazbegi bildet die Grenze zu Russland), sind wir qualifiziert um Vizepräsidentschaftskandidaten in den USA zu werden.

Nebst der wunderschönen Berge bietet Kazbegi noch mehr. Nämlich befindet sich dort eine Quelle aus der Mineralwasser mit Kohlensäure sprudelt (daher “Sprudelwasser”). Da wir nach der Tortur Wanderung einen Tag Erholung benötigten, bot sich die Quelle als netter Ausflug an. Nach einer halben Stunde spazieren erreichten wir sie. Leider hatte jemand den Stöpsel aus dem Pool entfernt, sodass nichts daraus wurde im Mineralwasser zu bädelen.

Nun war es an der Zeit, wieder vorwärts zu kommen. Fertig heile Bergwelt und ab ans Meer,  Adieu Bergtourismus à la Zermatt und hallo Russischer Strandtourismus: Wir stiegen in die Marschrutka Richtung Batumi am Schwarzen Meer.

 

Tiflis – sünnelen auf dem Balkon Europas

Immer mehr zieht es uns nach Hause, daher verabschiedeten wir uns nach zehn Tagen vom schönen Armenien und versuchten möglichst direkt nach Tiflis – der Hauptstadt Georgiens zu kommen.
Dilidschan ist ja nicht gerade ein Verkehrsknotenpunkt, daher nahmen wir den Ruckelbus ins nächstgrössere Kaff Dorf (Vanadzor). Von dort ging es nochmals per Sowjetruckelbus weiter zum Städtchen (Alaverdi) in der Nähe der Grenze. Der Bus dient nicht nur dem Transport von Personen, sondern auch als Mittel der armenischen Peperoni-Logistik. Die letzten Kilometer zur Grenze fuhr uns ein ausnahmsweise netter Taxichauffeur.

Der Grenzübergang ging erstaunlich schnell von statten (nicht einmal das Gepäck scännern wollten sie). Auf der anderen Seite fuhren leider keine Marschrutki (Minibus-Sammeltaxis à la ehemalige Sowjetunion) und so mussten wir gezwungenermassen die Dienste des unfreundlichsten Taxifahreres der Gegend in Anspruch nehmen – was für ein Kontrast zu Armenien!
Schliesslich erreichten wir mitsamt allem Gepäck und gut durchgeschüttelt unser Hostel in Tiflis.
Wie in Jerewan nahmen wir uns auch in Tiflis ein paar Tage Zeit um rumzuhängen den Blog zu aktualisieren und gemütlich die Stadt zu erkunden.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR kam der letzte Aussenminister der Sowjetunion und ehemaliger Chef der kommunistischen Partei Eduard Schewardnase an die Macht. Korruption und Vetternwirtschaft machten im nächsten Jahrzehnt Georgien zu einem der ärmsten Länder der Welt.
1993 wurden dann Parlamentswahlen durchgeführt bei denen eigentlich klar war, dass die Opposition gewonnen hatte – wenn dies auch nicht in den offiziellen Resultaten bekannt gegeben wurde. Daher kam es zu Protesten und der Rosenrevolution bei der Micheil Saakaschwili an die Macht kam. Dieser war ebenfalls ein lupenreiner Demokrat (er liess sich 2004 mit “96%” zum Präsidenten wiederwählen), führte jedoch einige Reformen durch, die der Wirtschaft förderlich waren und die Korruption eindämmten. Es heisst seit Saakaschwili könne man der georgischen Polizei trauen. Er wollte Georgien in die Nato und die EU führen, was nicht allen (den Russen) gefiel. So kam es 2008 zum bewaffneten Konflikt um Südossetien: Saakaschwili befiel einen massiven Militärschlag gegen ein paar bewaffnete Separatisten und provozierte dadurch die Russen, welche ihre Panzer nach Georgien schickten. Nach fünf Tagen zogen sich die Georgier aus Südossetien zurück und die Russen anerkannten Südossetien als unabhängigen Staat. So geht das.
Seit 2013 ist die Partei vom Milliardär Iwanischwili an der Macht, dieser gewann an Popularität als er auf eigene Kosten Strassen bauen liess. Aufgefallen ist uns als Schweizer vor allem die Popularität der Europäischen Union. Im Gegensatz zu Jerewan fühlte sich Tiflis auch sehr europäisch an.

Frisch ausgeruht machten wir uns auf in die Berge des grossen Kaukasus nach Kazbegi gleich an der russischen Grenze.