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Ab durch die Mitte: Türkei in fünf Tagen

Von Batumi kann man per Bus direkt nach Trabzon in der Türkei fahren. Am Busbahnhof wurden wir fündig und stiegen in ein Minibüsschen Richtung Türkei.  Kaum war es mit Reisenden gefüllt, machte sich eine Mitpassagierin daran, Literflaschen Wodka zu verteilen (eine pro erwachsene, nicht muslimische Person). So gerüstet passierten wir die Grenze zur Türkei am letzten Tag des Ramadan. Noch unterwegs zeigte uns Georgien zum letzten Mal seine Gastfreundschaft: Arbeiter auf dem Weg nach Deutschland luden uns im Bus zu Bier und Poulet ein. Madloba!

Vodkaschmuggel!
Vodkaschmuggel in die muslimische Türkei: schweisstreibend!

Unser Plan für die Türkei war: Durchreisen. Denn wir wollten am 10. August zurück in der Schweiz sein, die Türkei ist nicht weit weg, wir können also einfach zurückkommen sollte es uns gefallen.
Mitten am Nachmittag kamen wir in Trabzon an, und hatten noch Zeit für einen Spaziergang in der Stadt. Trabzon ist ein schönes Städtchen, in dem es sich anscheinend lohnt ein bisschen zu verweilen und zum Beispiel ein Iran Visum zu besorgen. Wir wollten jedoch weiter nach Ankara und Istanbul und nach Hause.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, da die Busreise nach Ankara 12 Stunden dauern soll, sagten unsere zuverlässigen Quellen. Es dauerte auch effektiv 13 Stunden, welche wir mit türkischen Filmen und Podcast hören verbrachten.

Ein bisschen zerknittert verbrachten wir 12 Stunden in Ankara. Vor einer Woche sei die neue Schnellzugsstrecke zwischen Ankara und Istanbul eröffnet worden, hörten wir. Nach all diesen Busfahrten war die Aussicht auf einen bequemen Zug verlockend. Also liefen wir mit Sack und Pack zum Bahnhof, der noch entsprechend dekoriert war und versuchten für diesen Zug ein Billett zu kaufen. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeit erfuhren wir, dass die Strecke effektiv offen ist, dass in der ersten Woche die Tickets sogar gratis sind – dass aber alle Züge an diesem Tag und in dieser Woche (weil gratis) ausgebucht sind. Schade! So kommt es, dass wir immer noch die Existenz türkischer Züge bezweifeln.
Also nahmen wir die ankaraische Metro und fuhren zum grössten Busbahnhof, wos je heds gids. Dort stiegen wir gleich in den nächsten Luxuxbus zu unserem Ziel für die nächsten zwei Tage: Istanbul.

Istanbul ist auch eine Stadt, die auf der einen oder anderen Reisewunschliste auftaucht. So verwundert es nicht, dass die ganze Altstadt grösstenteils von ausländischen Touristen bevölkert wird, dass die Eintritte zu den Sehenswürdigkeiten allesamt 15 Stutz kosten, dass viele Kellner versuchen jeden ausländisch aussehenden in ihr Beizchen zu locken (mitunter auf nicht sehr subtile Weise: “Why don’t you want to eat here?” wenn man keinen Hunger hat zum Beispiel). Regelmässige Konsumenten unseres Blogs wissen bereits, dass wir allergisch auf für Touristen künstlich konstruierte Welten reagieren und so begnügten wir uns mit einer Bootstour auf dem Bosporus und verabschiedeten uns nicht unglücklich nach zwei Tagen von Istanbul.

Um einen letzten guten Eindruck von der Türkei zu bekommen, beschlossen wir den Direktzug (“direkt” und “Zug” in einem Wort!) nach Bulgarien zu buchen. Wir stellten uns ganz romantisch ein Zweier Abteil vor, und dass wir sanft von den Klängen bulgarischer Volksmusik geweckt würden.
Es war nicht so.

Abends trafen wir am Bahnhof ein, und suchten einen Zug zum Einsteigen – doch da war keiner! Stattdessen hielt ein Bus (nicht die Luxusvariante mit funktionierender Klimaanlage) vor dem Bahnhof. Nur bis zur Grenze, hiess es. Dort würde ein Zug auf uns warten, sagten sie uns. Kurz vor der Grenze hielt der Reisebus auch an einem Bahnhof, doch auch dort war weit und breit kein Zug zu sehen. Wir sollten hier warten. Eine kurze Unterhaltung mit dem Bahnhofarbeiter erstickte jegliche Hoffnung auf ein bisschen bequemen Schlaf: Auf der bulgarischen Seite seien Bauarbeiten im Gange und wir würden hier auf den Bus aus Sofia warten. Um 2 Uhr morgens kam dieser Bus dann und lud seine Ladung erschöpfter Interrailer aus und in unseren Bus ein. Wir hingegen durften mit bulgarischem Fahrer bis zur Grenze fahren, wo die Beamten sich einen Spass daraus machten, uns weitere drei Stunden wach zu halten (sie dürfen ja auch nicht schlafen). Judihui Schengenaussengrenze.

Nach all diesen Strapazen waren wir nur noch froh ein bisschen ruhig sitzen bleiben zu dürfen. Um sechs Uhr hielt jedoch der bulgarische Bus mitten im Nirgendwo an einem gottverlassenen Bahnhof Grössenordnung “Sachseln”. Dort stand ein Zug, und er wartete darauf, dass wir einstiegen. Also Sächeli zusammenpacken, aus dem Bus raustorkeln, schlaftrunken zum Zug tschumpeln und hineintrolen. Eine Stunde später dann: Plifplof Plowdiw unser Ziel!

Liebe Türkei, vielleicht müssen wir dir eine zweite Chance geben, weil bei diesem ersten Mal hast du uns nicht überzeugt!