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Vom Sandsturm in den Schneesturm: Torugart

Zeit China zu verlassen, Zeit den Essstäbchen abzuschwören und sich dem Schaschlik zuzuwenden.
Es gibt zwei Möglichkeiten Kashgar in Richtung Kirgistan zu verlassen: den Irkeshtam Pass, der nach Osch im Ferghanatal führt und den Torugart Pass, welcher nach Naryn im Norden führt.

Wir wussten schon lange, dass wir lieber über den Torugart reisen möchten, da spektakulärer und auf direkterem Weg zum Visaparadies Bischkek. Nur erwies sich dies als  komplizierter als anfangs gedacht. Denn eigentlich wollen weder die Chinesen noch die Kirgisen Touristen dort haben. Man darf nur mit Tourguide, Spezialchauffeur und Bewilligung über den Pass und die Passnummern müssen vorher in Bischkek angemeldet werden. Das alles macht die Reise entsprechend teuer. Nachdem eine australische Reisegruppe im besten Alter uns ums Verrecken nicht mitnehmen wollte, fanden wir ein spanisch-französisches Pärchen, das die
Kosten mit uns teilen wollte. Im letzten Moment gesellte sich noch eine Koreanerin zu unsremTorugart-Reisegrüppchen.

So packten wir unsere Rucksäcke, liessen das sandstürmige 30-grädige Kaschgar hinter uns und fuhren durch die Wüste langsam den Pass hoch. Vorbei an etlichen Checkpoints erreichten wir schliesslich die Grenze auf Passhöhe auf 3752 m im Schneesturm bei -4°C. Wir verabschiedeten uns von unserer chinesischen Reisebegleitung, zu der sich für die letzten Kilometer auch noch ein Grenzsoldat gesellt hatte, und überschritten die eigentliche Grenze im eisigen Schneegestöber. Unser kirgisischer Fahrer wartete zum Glück schon auf der anderen Seite. Eine kurze Autofahrt durch eine unwirkliche Winterlandschaft führte zum kirgisischen Grenzposten, wo eine goldbezahnte Grenzbeamtin uns ruck zuck in Kirgistan einstempelte: добро пожаловать!
Ein paar Autostunden später, einige Höhenmeter tiefer und einige Grad wärmer landeten wir an unserem Ziel: Naryn.

China dies und das und bis zum nächsten Mal

Wie ihr vielleicht inzwischen bemerkt habt, waren wir sehr gerne in China unterwegs. Land und Leute waren sehr freundlich und lustig. Wir würden beide sehr gerne wieder kommen und noch den einen oder anderen Ort bereisen, den wir leider nicht gesehen haben oder auch noch einmal sehen würden. Hier noch ein paar Dinge, die wir zum Thema China nachtragen möchten:

China ist anders als wir erwartet haben:
  • Der Lebensstandard in China ist im Allgemeinen deutlich höher als in Südostasien. Vor allem in den Städten. Es kann also durchaus passieren, dass man aus dem modernen Schnellzug einen Eselkarren erblickt.
    Transportmöglichkeiten: Moderner Zug oder...
    Transportmöglichkeiten: Moderner Zug…

    ...oder mit Ross und Wagen
    …oder Eselkarren
  • Bisher hatten wir noch nie etwas von “staubigem Wetter” gehört. Zum ersten Mal konnten wir es in Peking erleben. Dabei handelt es sich nicht, wie man vermuten könnte um Luftverschmutzung, sondern um Sandstürme aus der Wüste, welche immer weiter Richtung Peking vorrückt

    Telefon sagt: hier staubiges Wetter
    Telefon sagt: hier und heute staubiges Wetter
Ungewohnte, für uns nicht sehr appetitliche Dinge:
  • Chodere: überall immer mit den dazugehörigen Geräuschen. Nein man gewöhnt sich auch nach zwei Monaten nicht daran und ja es ist ein bisschen gruisig.
  • Wo wir gerade bei den gruisigen Sachen waren: Nagelschneiden scheint in der Öffentlichkeit kein Problem zu sein, und insbesondere in Zügen und in Wartesälen an Bahnhöfen wird dieser Tätigkeit gerne nachgegangen.
  • Gruisig Nummer drei: Im Zug von Xi’an nach Ürümqi wacht Samuel auf, als ein kleines Mädchen gerade dabei ist, in den Abfallkübel neben seinem Kopf zu kacken…
  • Ok letztes gruisig: kleine Kinder tragen meist keine Windeln, sondern Hosen mit Löchern drin – daher die gelegentlichen unerklärlichen “Wasserlachen” im Metrowagen.
Der Chinesische Staat der harmonischen Volkseinheit:
  • Unsere erste Interaktion mit dem chinesischen Staat war natürlich der Grenzübertritt von Vietnam nach China. Kaum eingestempelt wollte ein übereifriger Beamter unser Gepäck genauer untersuchen und wurde fündig: wir hatten den Lonely Planet Reiseführer für China dabei – wie subversiv! Dieser wurde sogleich konfisziert.  Da besagter Beamter kein Englisch sprach, zeigte er auf eine Seite im Reiseführer. Dort stand, dass das Buch ab und zu beschlagnahmt wird, da Taipeh (Taiwan) auf der Karte als Hauptstadt eingezeichnet ist. Nun denn, wir überstanden die Busfahrt nach Kunming auch ohne Lonely Planet und kauften uns dort einen neuen (so sehr verboten ist er, dass man ihn in den Buchhandlungen kaufen kann).
  • Auch das chinesische Internetz wird wie allseits bekannt vom Staat gelenkt und überwacht. Dass ausserchinesische Internet erreicht man nur durch den “Goldenen Schild”.  Begründet wird die Internetzensur mit den üblichen Phrasen in solchen Fällen (zum Beispiel Schutz der Kinder etc. siehe Grossbritannien).
    Nebst dem Nichterreichen von bei uns populären Webseiten wie Youtube und Facebook bietet das chinesische Internet noch eine ganz andere Besonderheit. Wie allseits bekannt sein dürfte, wird in China anders mit Urheberrechten umgegangen als bei uns. Viele Serien und Filme sind auf dem chinesischen Youtube  in voller Länge und in bester Qualität zu finden – vorausgesetzt man hat eine chinesische IP Adresse und verfügt über genügend Chinesisch-Kenntnisse. Uns wurde gesagt, dass deshalb viele im Ausland wohnende Chinesen ein VPN nach China haben. Übrigens umgehen Chinesen und in China Wohnende die Firewall routinemässig per VPN.
  • Generell gilt: Don’t talk about the three T’s (Tibet, Taiwan, Tian’anmen). Also halten wir uns daran.
  • Das Wirtschaftswachstum Chinas sieht man in erster Linie an der ausgiebigen Bautätigkeit. Sowohl Wohnhäuser als auch Autobahnen und Eisenbahnstrecken werden mit einer unglaublichen Geschwindigkeit gebaut. So schnell, dass sogar  die lokalen Taxifahrer nicht wissen, wo jetzt die Auffahrt auf die neue Autobahn ist. Auch sonst wird ein riesiger Aufwand in die Infrastruktur gesteckt.

    Infrastrukturausbau: hier Schnellzugstrecke
    Infrastrukturausbau: hier Schnellzugstrecke
  • Etwas komisch ist es schon mit in der Schweiz gekauften Dingen in China herumzulaufen und daran zu denken, dass ein Grossteil unserer Besitztümer zumindest in Teilen schon einmal in China war. Die unzähligen Fabriken, die unsere Dinge des täglichen Gebrauchs herstellen sind auf der Durchfahrt durch unansehliches Gebiet überall zu erblicken.

    Chinesische Industrie, hier glaubs eine Raffinerie
    Chinesische Industrie, hier glaubs eine Raffinerie
  • Seit einigen Jahren scheint es einen regelrechten Boom von Elektromotorrädern zu geben. Wir haben gehört, dass man für ein solches Töffli in Normalausstattung nicht mehr als 300 Fr. zahlt. Bei uns wird ja die Version “Elektrovelo” verkauft, z.B. der Stromer – in China sicher weder Mainstream noch Trendsetter. Das Motorrad kann überall wieder aufgetankt werden – und Chinesen auf Motorrädern verstopfen die Strassen weniger als Chinesen in Autos.

    Umgebautes Elektrorad
    Umgebautes Elektrorad
Tourismus in China
  • Typisch chinesisch ist es, die Eintrittshalle zu einer Attraktion ca. zwei Kilometer weg von der Sehenswürdigkeit aufzustellen. Somit kann noch zusätzlich ein Bilett für das Touristenzügli verkauft werden, denn chinesische Touristen bewegen sich nie mehr als nötig.
  • Die Hostel- und Hotelzimmer haben oft ein sehr kleines Badezimmer (shit-shower-shave-arrangement).
So gebaut, dass man ganze drei Dinge gleichzeitig erledigen kann - chinesisches Badezimmer
So gebaut, dass man ganze drei Dinge gleichzeitig erledigen kann – chinesisches Badezimmer
  •  Chinglish: So wird die Sprache genannt, welche benutzt wird um uns dummen nicht-chinesisch-lesenden Touristen über das Wichtigste zu informieren. Dabei handelt es sich um eine direkte Übersetzung der chinesischen Schriftzeichen (nehmen wir an). Es ist auf jeden Fall sehr charmant.
  • Aufgefallen ist uns auch, dass der chinesische Staat eine ganz genaue Idee davon hat, wie eine tourismisierwürdige Altstadt auszusehen hat (so wie Lijiang). Also werden Orte, die das Potential dazu haben, eine berühmte Tourismus-Stadt zu werden umgebaut. So wurde die gesamte Altstadt von Kaschgar komplett abgerissen und neu gebaut, mit den chinesischen Standardziegelsteinen Version “orientalische Oasenstadt”.
Die Chinesen
  • In allen Städten, die wir besucht haben gibt es mindestens einen “Park des Volkes”.  Am Abend finden sich die Leute zum Tanzen ein:
    Aber auch zum Spielen (Mahjongg vor allem), Drachen steigen lassen oder einfach zum Zusammensein geht man Abends in den Park. Morgens wird im Park Tai Chi geübt – vor allem die alten Leute erwiesen sich als weitaus beweglicher als Samuel.
  • Traditionellerweise gibt es Chinesen die zwei Walnüsse in ihren Händen drehen.  Dadurch wird die Durchblutung gefördert und das Walnussöl ist gut für die Haut. Beliebt sind insbesondere Walnüsse die möglichst gleich aussehen. Die Walnusspaare werden über Jahre so bearbeitet, bis sie glattgeschliffen sind und sich nur noch ein feines Muster an der Oberfläche zeigt. Inzwischen gibt es Sammler, die ein Vermögen für Walnusspaare ausgeben. Auch gibt es Leute die Walnusspaare noch mit der grünen Schale kaufen in der Hoffnung, dass sie besonders ähnlich aussehen, dies als eine Art Glücksspiel .
  • Schlange stehen ist in China etwas ganz Besonderes. Bei uns herrscht irgendwie der Konsens, dass man sich hinten anstellt- nicht so in China – hier ist alles erlaubt. Zur Veranschaulichung hier eine Grafik einer Schlange, welche das Anstehen zum Einsteigen in den Zug darstellt.

    Schlange stehen auf Chinesisch
    Schlange stehen auf Chinesisch
  • Anscheinend ist es für viele Chinesen immer noch ungewöhnlich westliche Touristen zu sehen. Gemessen an der Anzahl Fotos die heimlich oder weniger heimlich von uns gemacht wurden, schätzen wir, dass wir inzwischen im chinesischen Facebook berühmt sind.
  • Regeln werden im Allgemeinen eher als Empfehlungen interpretiert. Wir haben da eine Theorie, wonach in Ländern in welchen der Staat es mit nichtnachvollziehbaren Vorschriften übertreibt, die Menschen sich auch nicht mehr an die vernünftigen Regeln halten.
  • Wir wurden meist freundlich willkommen geheissen und die Leute waren ehrlich an uns interessiert. Dies haben wir sehr genossen und würden beide sehr gerne wieder nach China kommen. Sei es nur um von allen Richtungen ein freundliches “Hello” zu hören. Auch wenn die Kommunikation nicht immer einfach ist (zum Beispiel mit dem chinesischen Poeten von Kunming nach Guangzhou), so wird doch mit Händen und Füssen mitgeteilt, woher man kommt und was man macht.

Danke China für alle die schönen Erlebnisse und alle Leute, die wir da getroffen haben. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

 

Fünf Minuten Pakistan

Anstatt nach Kirgistan weiter zu reisen entschlossen wir uns spontan für einen letzten, dreitätigen Abstecher von unserer Route in China, von Kashgar bis an die Grenze Pakistans.


Die abenteuerlustige Reisegruppe bestand neben unserer Wenigkeit aus einem weiteren Päärli aus der Schweiz, die wir schon in Südchina angetroffen haben, sowie zwei finnischen Bilderbuch-Szenis aus Peking/Helsinki, die an einem “Social Media Projekt” arbeiteten (Wie sich herausstellte, ist das Hipster-Sprech für “Fotos und Videos machen und die dann auf Facebook laden”).

Die Tour führte uns entlang des Karakorum Highway zunächst in das Städtchen Tashkurgan, welches schon vor tausend Jahren ein wichtiger Stop für die Karawanen auf der Seidenstrasse war. Heute ist davon nur noch die Ruine einer alten Festung zu sehen, die das oasenähnliche Tal überblickt. Die Stadt liegt im “autonomen Gebiet der Tadschiken”, eine der vielen Minderheiten in China.

Die Bemühungen der Regierung, das Gebiet den chinesischen Touristenmassen schmackhaft zu machen, scheinen bisher genau so wenig zu fruchten wie in Kashgar. Von den ernstgemeinten Absichten zeugen jedoch riesige Parkplätze, hunderte leere Souvenirstände, und sogar ein Touristenzügli!

Eine Nacht wollten wir eigentlich in einer Jurte am Karakul See verbringen. Ein weiteres Beispiel wie inkompatibel das chinesische Tourismusangebot mit den Ansprüchen von uns Westlern manchmal ist: An einer Stelle des Bergsees gibt es einen Parkplatz mit zwanzig halbzerfallenen Souvenirständen, und einem betonierten Pfad der hundert Meter in beide Richtungen dem See entlang führt. Um dieses tolle Angebot benutzen zu dürfen, wird natürlich Eintritt verlangt. Achja, und die “Jurten” sind aus Beton! Wir verzichteten dankend und genossen den See zwei Kilometer weiter ganz ohne zivilisatorischen Luxus.

Am zweiten Tag ging unsere Fahrt weiter bis zur Passhöhe des Khunjerab-Passes auf fast 4700m. Hier befindet sich auch die Chinesisch-Pakistanische Grenze, und weil weit und breit kein Pakistani zu sehen war weil sie im Niemandsland zwischen den beiden Grenzposten liegt, durften wir sogar kurz auf die andere Seite!

Der eisige Wind liess uns aber relativ bald wieder ins warme Auto fliehen, und nach einer längeren Odyssee zurück nach Kashgar waren wir nun definitiv bereit für unser erstes “stan” – Kirgistan!

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Orient in China: Kaschgar

Kaschgar liegt in der hintersten Ecke Chinas und etwa gleichweit von Istanbul wie von Peking entfernt. Die Oasenstadt war ein wichtiger Verkehrsknoten der Seidenstrasse und ist dies auch heute noch – von hier aus führen zwei Strassen nach Kirgistan (über den Irkeschtam und über den Torugart Pass) und hier ist der Endpunkt des Karakorum Highway, der Verbindungsstrasse zwischen China und Pakistan über den Khunjerab Pass. Für uns die letzte Station in China und eine erste Erfahrung Orient.

Leider wird zur Zeit die Altstadt “lijiangisiert” – d. h. die jahrhundertealten Gebäude werden abgerissen und durch das ersetzt, was sich der chinesische Staat als orientalische Oasenstadt vorstellt. Für die Leute vor Ort heisst das, dass die meisten in Hochhäuser ziehen, und zusehen müssen wie die Bagger ihre Lehmhäuschen niederreissen. Begründet wird diese Aktion damit, dass der Tourismus gefördert werden soll. Wir haben unsere touristischen Aktivitäten dadurch nicht besonders gefördert gefühlt, aber die chinesischen Touristen ticken da bekannterweise anders.

In der Nähe von Kaschgar befindet sich mitten in der Wüste ein natürlicher Steinbogen (Auf afrikanisch “hole in the wall“), der (natürlich) der grösste der Welt sein soll. Grund genug für Samuel und Nathalie dorthin zu gehen. Interessant an dem Steinbogen ist auch dessen Geschichte. Obwohl den Eingeborenen längst bekannt, wurde der Bogen vom englischen Abenteurer Eric Shipton 1947 “entdeckt”. Der vergass jedoch eine genaue Wegbeschreibung zu hinterlassen, sodass der Steinbogen erst 2000 von einem National Geographic Team “wiederentdeckt” wurde.
Heutzutage steht der Steinbogen in jedem Reiseführer der Gegend und das ehrwürdige Chinesische Ministerium für den Massenvolkstourismus ist gerade dabei, aus der Wildnis eine stöggelischuhgängige Attraktion zu bauen. Nebst dem imposanten Steinbogen (Die Wanderung dahin kostet jetzt schon Eintritt), haben wir also auch die ameisenfleissigen Bauarbeiter bewundern können, und der Soundtrack zum Naturspektakel lieferte der knatternde Generator für die Baumaschinen.

Die Hauptattraktion Kaschgars ist der sonntägliche Viehmarkt. Die Bauern der umliegenden Dörfer packen früh Morgens ihre zum Verkauf stehenden Tiere auf alle möglichen motorisierten Fahrzeuge und tuckerln zum Markt. Dort wird vorgeführt, untersucht, gefeilscht und auch gleich gemetzget. Der Viehmarkt von Kaschgar ist der grösste der Gegend und dementsprechend berühmt- auch unter Touristen. So mischten wir uns unters Volk, kauften keinen Esel und beobachteten das geschäftige Treiben eingeklemmt in einer Schafherde. Für die sensiblen Vegetarierseelchen muss der eine oder andere Anblick an diesem Markt schwer zu ertragen sein- für die hartgesottenen Karnivoren gibt es hier das frischeste Fleisch zu essen. Für uns gab es das eine oder andere Fotosujet und eine Lektion in die Ökonomie des Fleisch- und Tiermarktes.

Nach diesem erlebnisreichen Morgen fuhren wir zurück in die Stadt zum vegetarischen Zmittag.

Odyssee von Xi’an nach Kashgar

Soviel chinesische Hochkultur reichte vorerst und so buchten wir zwei Zugbilette: eines von Xi’an nach Ürümqi in der Provinz Xinjiang (28 Stunden, 2623 km) und eines von Ürümqi nach Kaschgar (26 Stunden, 1558 km). Nathalie wünschte sich dazwischen ein richtiges Bett und eine Dusche, daher haben wir in Ürümqi 24 Stunden pausiert.

 

Die erste Zugsreise führte entlang der chinesischen Mauer in der Provinz Gansu am Rande der Wüste Gobi.

Für diese langen Zugfahrten rüsten wir uns normalerweise mit genügend Hörbüchern und Podcasts, sowie einer Flasche Wein… So schläft sichs besser und man muss nicht soviel aufs WC, wie wenn man Bier trinken würde. In allen Zügen kann man kostenlos heisses Wasser bekommen, sodass wir morgens nicht auf Kaffee verzichten müssen.

In Ürümqi kamen wir früh morgens an. In ganz China gilt offiziell die Pekingzeit. Ürümqi liegt jedoch mehr als 2000 km westlich von Peking. Dementsprechend geht die Sonne später auf. Inoffiziell findet also das Leben in der Xinjiang Zeit – zwei Stunden später – statt.
Ürümqi selbst ist nicht besonders sehenswert – trotz ihres sowjetisch angehauchtem Charmes (Lonely Planet listet drei Sehenswürdigkeiten, wovon wir zwei innerhalb von 3 Stunden abgeklappert haben).

Da die Stadt auf uns nicht sehr einladend wirkte, waren wir froh, dass wir schon unser Zugbillett für Kaschgar besassen.

Also nahmen wir am nächsten Tag gleich ein Taxi zum Bahnhof und den Zug nach Kashgar. Der Zug fuhr zunächst vorbei an einem Salzsee zurück nach Turpan – einer Oasenstadt – und dann über das Tian Shan Gebirge entlang der Taklamakan Wüste bis nach Kaschgar. Der Pass im Tian Shan Gebirge ist knapp 3000 m hoch und bietet eine wunderschön-karge Landschaft.

Nach diesen drei anstrengenden Reisetagen, waren wir froh wieder ein richtiges Bett zu haben und unsere Siebensächeli auszubreiten in unserem netten kleinen nur ein bisschen nach Schafsfleisch riechenden Hostelzimmer in Kaschgar – unserer letzten Station in China.

 

Xi’an

Nach den Badeferien in Südostasien und der ausgedehnten Tour-de-China bedeutete Xi’an den Anfang unserer dritten grossen Etappe: Dem Abenteuer Seidenstrasse.

Xi’an ist mehr als 3000 Jahre alt und damit eine der ältesten Städte Chinas. Unter mehreren Dynastien war es die Hauptstadt des Kaiserreichs. So auch in der Qin-Dynastie rund 200 Jahre vor Christus. Der erste Kaiser der Qin Dynastie, Qin Shi Huang, war mit gesundem Selbstbewusstsein gesegnet, und sehr darauf bedacht, seine Macht auch im Jenseits zu behalten. Deshalb liess er noch zu seinen Lebzeiten während 38 Jahren bis zu 700’000 Sklaven und Arbeiter an seiner Grabstätte bauen. Dieses Denkmal menschlichen Grössenwahns ist heute die Hauptattraktion Xi’ans: Die Terrakotta-Armee.

In der Nähe des eigentlichen Mausoleum des Kaisers liegt eine ganze Armee aus Tonsoldaten begraben. Mehr als 6000 lebensgrosse Soldaten, von denen keine zwei gleich aussehen, dazu 40 von je vier Tonpferden gezogene Streitwagen, Waffen, Rüstungen und tausende andere wertvolle Fundstücke.

Die Ausgrabungsstätte ist mittlerweile von mehreren Flugzeughangargrossen Hallen überdacht, und kann besichtigt werden. Erst ein kleiner Teil der Armee wurde bisher ausgegraben, und man kann den Archäologen bei ihrer Arbeit zuschauen. Da die meisten der mit Holz gedeckten Katakomben eingestürzt sind, müssen viele Tonsoldaten mühsam aus ihren Bruchstücken zusammengesetzt werden.

Die ganze Anlage birgt noch viele Geheimnisse und Rätsel, und wird die Archäologie noch für eine Weile beschäftigen. So wurde das eigentliche Grab des Kaisers noch gar nicht angetastet. Es gibt jedoch Gerüchte dass  in seinen Grabkammern ein Modell des damaligen Chinesischen Reichs nachgebaut wurde, mit Seen und (fliessenden) Flüssen aus Quecksilber (!).

Xi’an ist auch eine der wenigen historischen Städte Chinas, die noch über eine intakte Stadtmauer verfügt. In vielen anderen Städten mussten diese in den fünfziger Jahren dem unzimperlichen Fortschrittsglauben der Maoisten weichen, und wurden durch breite Strassen und sozialistische Betonklötze Prachtbauten ersetzt. Xi’an wurde dieses Schicksal irgendwie erspart, und die prächtige, 14 Kilometer lange Stadtmauer macht heute einen wichtigen Teil des speziellen Charmes dieser Stadt aus. Die geplante Velotour auf der Mauer am zweiten Tag unseres Aufenthalts fiel leider buchstäblich ins Wasser, durch einen vollen Tag totales Scheisswetter.

Nathalie’s Highlight und einer der bisher coolsten und einzigartigsten Touristenattraktion sind wir abends beim Bummeln durch Xi’an begegnet: Das mobile Observatorium montiert auf einem klapprigen Dreirad-Töff.

???
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!!!
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Die Sterne Der Mond steht gut für unsere nächste grosse Odyssee, die uns entlang der Seidenstrasse zunächst in den wilden Westen Chinas führen wird und von dort über Kirgistan nach Usbekistan in die legendären Oasenstädte Samarkand und Buchara.

Um unser Treffen mit Dania und Martin trotz ihrer wahnsinnigen Geschwindigkeit und unseres Schneckentempos doch noch Wirklichkeit werden zu lassen, haben wir uns für eine Planänderung entschieden. Statt Usbekistan – Kasachstan – Aserbaidschan – Georgien – Türkei, werden wir nun der Seidenstrasse weiter folgen: Nach Usbekistan durchqueren wir Turkmenistan (Inshallah) und den Iran um in die Türkei zu gelangen (statt das kaspische Meer auf einem Frachter zu überqueren von dem niemand weiss ob er noch existiert). Der Ausflug ins Schlaraffenland Georgien behalten wir uns aber vorerst noch vor!

Westwärts!
Westwärts!

Peking

Länger wollten wir die Gastfreundschaft von Alex, Weiwei und Nathan nicht mehr beanspruchen und so zogen wir weiter nach Peking zurück ins richtige China, das wir seit Kunming ein bisschen vermisst hatten.

Am bequemsten fährt man per Zug von Shanghai nach Peking. Und was für ein Zug, dies freute Samuel ganz besonders. Der chinesische Superschnellzug ist wirklich beeindruckend – er fährt im Normalfall mit 300 km/h durch das chinesische Flachland. Dadurch lohnt es sich nicht mehr einen Nachtzug zu nehmen, denn für die 1300 km Strecke braucht man knapp fünf Stunden.

Da klatschen die Chinesen: 301 km/h
Da klatschen die Chinesen: 301 km/h

Was macht man in Peking?

  • Man besucht die verbotene Stadt:

Die verbotene Stadt ist ja nicht verboten, wie man an den Unmengen von Touristen sehen kann. Sie heisst so, weil sie es einmal war, als es noch Kaiser gab in China (bis 1912). Das Betreten der verbotenen Stadt wurde für Normalsterbliche mit dem Tode bestraft. In der verbotenen Stadt lebte die kaiserliche Familie und die Konkubinen des Kaisers (welche übrigens von dessen Mutter ausgewählt wurden), sowie etliche Eunuchen. Nur in bestimmten Gebäuden wurden Audienzen abgehalten und Politik betrieben.

Wie in einer WG kam es dadurch auch zu Konflikten (insbesondere das heikle Verhältnis zwischen den Kaiserinnen und den Konkubinen führte oft zu Streitigkeiten), welche -anders als in einer WG- ab und zu tödlich endeten.  Wer mehr darüber wissen will, wird zum Beispiel hier fündig.

Bei uns ist er ja berühmt wegen Dingen, die ich hier und jetzt nicht schreibe, da ich noch ein bisschen in China bleiben will. Hier ist er berühmt wegen des Mao Mausoleums (kurz Maosoleum). Uns hat er beeindruckt wegen des absolut grössten Fernsehers wos je heds gids und wegen den Elektromobilabfallhinterherdüser.

Auch sonst ist der Platz sehr gross und man kann die freundliche  sowjetische Unterstützung beim Bau der umliegenden Gebäuden wirklich gut erkennen.

  • Man macht einen Ausflug zur grossen Mauer:

Schon der erste Kaiser von China (das ist der mit der Terracotta Armee) liess ca 200 v. Chr eine Mauer bauen gegen die Barbaren im Norden (die Mongolen).  Seine Nachfolger liessen sich nicht lumpen und bauten auch Mauern, sodass es nicht “eine” chinesische Mauer gibt, sondern viele. Auch wurden die Mauern immer weiter nördlich gebaut, sodass sich zum Teil die Barbaren auf einmal assimiliert und herrschend südlich der Mauer befanden. Kann passieren. Die bei uns bekannte Mauer stammt aus der Ming Dynastie (das sind die mit den Porzellanvasen, die so wertvoll sind und trotzdem immer kaputt gehen). Heute beeindruckt die Mauer vor allem durch ihre Länge. Schon 1754 behauptete der Engländer William Stuckeley: “This mighty wall of four score miles in length (Hadrian’s Wall) is only exceeded by the Chinese Wall, which makes a considerable figure upon the terrestrial globe, and may be discerned at the Moon.”  Dem ist nicht so, weil sonst müsste man jede Autobahn auch sehen:

was sieht man wahrscheinlich besser aus dem Weltall: Mauer oder Autobahn?
was sieht man wahrscheinlich besser vom Mond aus: Mauer oder Autobahn?

Übrigens ist die grosse Mauer von China Unesco Weltkulturerbe. Im Gegensatz zu anderen Unesco Weltkulturerben ist die Mauer jedoch gross genug, sodass sich die Touristen gut verteilen können.

Das Stadion auch bekannt als Vogelnest wurde von  zwei ETH Architekten  (Link geht auf Wikipedia, weil die Webseite ist für meine Verhältnisse ein bisschen zu künstlerisch) für die Olympiade 2008 gebaut. Überhaupt ist das ganze Olympia Areal einen Ausflug wert (nur schon wegen der Drachen die alle Leute dir verkaufen wollen, und Sämi bald bald auf Ebay Hong Kong bestellt). Auch das olympische Schwimmbad wurde damals berühmt. Anscheinend könnte man die ganze Schwimmhalle auf die Seite kippen, ohne dass sie kaputt ginge, weil die Struktur derjenigen von Seifenblasen nachempfunden wurde, die über eine sehr geringe Oberflächenspannung verfügen.

  • Man spaziert durch die Stadt und geniesst den chinesischen Alltag:

Die Hutong – labyrinthische kleine Gässchen mit Steinhäuschen sind wirklich sehr hübsch anzusehen und man kann sich leicht verirren.  Da in China früher niemand eine eigene Uhr hatte (ganz früher), wurden extra Türme gebaut mit dem Ziel die Zeit zu messen und den Leuten mitzuteilen. Die Zeitangabe erfolgte beim Glockenturm mit Glocken und beim Trommelturm mit Trommeln (daher die Namen!).
Auch sehenswert sind der Lama Tempel, der auch ein bisschen tibetisch angehaucht ist. Dort befindet sich laut Guiness Buch der Weltrekorde eine 18m hohe Buddhastatue, die aus einem einzigen Sandelholzbaum geschnitzt wurde – fotografieren ist dort leider verboten (gäll Sämi).

Völlig unverhofft mussten wir keine grossen Visabürokratien bearbeiten (auch das geht heutzutage grössten Teils online) , also beschlossen wir doch noch nach Xi’an zu reisen um die berühmten Terracotta Soldaten anzuschauen.

 

Shanghai

Da wir uns in Hong Kong elektronisch aufgerüstet hatten, konnten wir das Mekka der internationalen Geschäftlimacher verlassen und mit dem Zug nach Shanghai fahren.

In Hong Kong hatten wir ja Alex aus Shanghai getroffen, der uns spontan zu sich eingeladen hat. Nur waren wir vor ihm dort und so telefonierten wir mit seinen Mitbewohnern hin und her bis wir schliesslich den Schlüssel zur Wohnung hatten.  So residierten wir in Shanghai in einer lustigen WG mit Weiwei, die für Miss Earth China arbeitet und fliessend Mandarin, Russisch und Englisch spricht, Nathan aus Genf, der bei einer chinesischen Softwarefirma ein Praktikum macht und Alex aus Saragossa, der eigentlich Philosophie studiert aber gerade in Shanghai für ein mexikanisches online Magazin arbeitet, und als Hobby gerne Haare schneidet:Wir sind allen drei sehr dankbar, dass wir während fast einer Woche ihr Wohnzimmer besetzen durften und wünschen weiterhin fröhliches Zusammenwohnen.

¡Gracias!   谢谢  Merci beaucoup!

Nebst dem Couchsurfen haben wir selbstverständlich auch die Stadt  tourismisiert. Allen voran: the skyline. Wir wollten euch hier exklusiv die Skyline als youtube Filmli, frisch aufbereitet  hinter der chinesischen Firewall der glücklichen Harmonie oder so bieten, leider reicht dazu die Bandbreite und die Geduld nicht ganz. Dafür gibts ein Farbfoto:

I ♥ Schaffhausen...
I ♥ Schaffhausen…

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, Zwanzig Bilder sagen demnach mehr als 20’000 Worte. Hier also ein paar Bilder von Schaffhausen Shanghai:

Es bleibt der Eindruck dass Shanghai ein bisschen eine Spielwiese für Architekten ist. Für die Architekturfreunde unter unseren Lesern (Hoi Mia!) hier eine kleine Zusammenstellung der Möglichkeiten in Shanghai ein Hochhaus zu bauen:

Shanghai war eine der ersten Städte in China, in welcher der Handel mit ausländischen Barbaren (Engländer, Franzosen, ihr wisst schon) vom Kaiser erlaubt wurde, nachdem die Engländer 1842 den ersten Opiumkrieg gewonnen hatten. Nun wo die Geldmacherei erlaubt war, kamen als erste die Engländer und bauten ihr Quartier, in welchem sie nach ihren eigenen Gesetzen leben durften. Nach und nach kamen andere Ausländer: Franzosen, Amerikaner und Japaner. In diesem Chaos aus unterschiedlichen Hoheitsgebieten, freiem Handel und blühender Industrie gründeten ein paar arbeitslose Seemänner die Grüne Bande und die Rote Bande, welche in mafiösen Strukturen bis in die Zwanziger Jahre Shanghai kontrollierten. In diesem Sumpf aus Drogenhandel, Prostitution und Glückspiel entstand der Ruf Shanghais als abenteuerliche Stadt. Kein Wunder bezeichnet schanghaien eine unethische Methode Seeleute anzuwerben.

Auf Empfehlung von Alex haben wir von Shanghai aus einen Abstecher nach Suzhou unternommen. Mit dem Ultrachinesischnellzug dauerts nur eine halbe Stunde bis zum “Städtchen” Suzhou (6.7 Mio. Einwohner). Die Altstadt ist durchzogen von Wasserkanälen, sodass die Stadt auch “Venedig des Ostens” genannt wird. Nebst den Kanälen ist Suzhou auch für die schönen chinesischen Gärten bekannt.

Nach einem Tag auf dem Land gingen wir zurück in die Metropole Shanghai. Dort trafen wir Thomas, den Bruder von Cait, den wir an deren Hochzeit in Kuala Lumpur getroffen hatten. Mit Thomas gingen wir essen und tranken anschliessend einige Biere und jetzt können wir uns nicht mehr ganz an alles erinnern. Leider sind auf den meisten Fotos dieses Abends nur verschwommene Flecken zu sehen, weshalb wir hier auf eine Veröffentlichung verzichten. Es war auf jeden Fall ein lustiger Abend und wir haben es sehr genossen. Danke viel Mal.

Nach fast einer Woche in Shanghai war es an der Zeit den grossen Zug der Volksverständigung zu nehmen und nach Peking zu düsen.

Und zum Schluss noch dies:
Samuels neue Frisur bei Ankunft in Peking, wo er sicher in einem Coworkingspace ein paar Projekte realisieren wird und in Zürich auch.

Samuel neu ein bisschen "berlinisch"
Samuel neu ein bisschen “berlinisch”

 

Tiger Gump Schlucht

Wie bereits angekündigt, machten wir uns von Dali auf den Weg um eine Wanderung in besagter Schlucht zu machen. Der Bus fuhr uns zuverlässig auf nigelnagelneuen, noch nicht in den Karten eingezeichneten Autobahnen (Chinas Infrastruktur Investitionen sind wirklich imposant) nach Lijiang, wo wir eine Nacht verbringen und am nächsten Tag zur Tiger-Sprung-Schlucht aufbrechen wollten.

In Lijiang verirrten wir uns zunächst in einer Nobelhotelanlage welche wir fälschlicherweise für die Altstadt hielten, und danach in der richtigen Altstadt, die wiederum aussieht wie ein China-Themenpark im Disneyland. Nach etwa einer Stunde herumirren spazieren in der Altstadt erreichten wir endlich das “Old Town International Youth Hostel Lijiang”. Wo sich nach kurzer Zeit herausstellte dass wir nicht hier, sondern im “Lijiang International Youth Hostel” am anderen Ende der Stadt (wo wir gerade herkamen) ein Zimmer reserviert hatten.

Es war an der Zeit, einen weisen Ratschlag von Claudia und Marco zu beherzigen:

“Wenn ihr euch gegenseitig auf die Nerven geht, esst was”
(Wir finden, dieser Satz sollte in jedem Reiseführer stehen)

Wenig Platz, aber es reicht
Wenig Platz, aber es reicht, wem fällt es auch ein soo gross zu sein, ts ts…

Also bestellten wir ein Pommfrit, tranken ein Bier, sattelten erneut unsere Rucksäcke und spazierten zurück, wo wir eine Jugi mit sehr liebem Personal vorfanden, das sich sogleich um all unsere Problemchen kümmerte (Wäsche, Bier, Busticket etc. etc. ). Die Jugendherbergen in China haben uns bisher immer überzeugt, da sie sauber, günstig, schön sind und das Personal an der Reception meistens makelloses Englisch spricht (in China keine Selbstverständlichkeit).

Am Abend blieb sogar noch Zeit, eine kleine Sightseeing Runde durchs Städchen zu machen. All die sauber herausgeputzten, piekfein restaurierten (wie gesagt, Disneyland) Häuslein, die endlosen Reihen von Souvenirständen (Jeder dritte Stand verkauft lustigerweise Djembés, das hat hier nicht etwa Tradition oder so, sondern ist einfach grad voll “In” bei den chinesischen Touristen), und das warme, 2.5%ige Bier zu stadtzürcher Preisen (!) konnten uns nicht lange begeistern. Ganz im Gegensatz zu den 5 Millionen Chinesen, die das 40’000-Einwohner-Städchen jedes Jahr besuchen (Wir hatten den Eindruck, alle 5 Millionen seien gleichzeitig da),  und konsumieren als ginge morgen die Welt unter. Ein Einblick in die Zukunft des Massentourismus. Achja, haben wir schon erwähnt, dass Lijiang UNSECO-Weltkulturerbe ist?

Am nächsten Morgen früh packten wir unsere Rucksäcke erneut (immer dieser Alltag) und stiegen in den Bus Richtung Tiger-Sprung-Schlucht. Der Name der Schlucht stammt von einer Legende, wonach ein Tiger einmal von einer Seite auf die andere gesprungen sei. Unsere zweitätige Wanderung führte uns entlang der Schlucht, weit oberhalb der unvermeidlichen Sightseeing Plattform, Souvenirstände und Busparkplätze, und endete schliesslich in einem spektakulären, nur zu Fuss zugänglichen Teil der Schlucht. Der Jangtsekiang tobt als wilder Gebirgsfluss  an einem vorbei, und zu beiden Seiten ragen die Berge auf bis zu 5500 Meter auf. Der Fluss führt dort im Schnitt zehnmal soviel Wasser wie der Rheinfall (Und zweihundert mal soviel wie die Thur!).
Aus den Leuten, die mit uns auf dem Bus waren, bildete sich spontan ein lustiges Grüppchen, mit denen wir zwei Tage lang in der Schlucht unterwegs waren.

Nach zwei Tagen wandern nahmen wir den Bus nach Shangri-La. Shangri-La hiess ursprünglich Zhongdian und wurde im Zuge eines Tourismus-Förderungs-Programmes 2001 umbenannt nach dem mythischen Ort aus dem Roman von James Hilton.

Leider ist Mitte Januar ein Feuer in der Altstadt ausgebrochen und fast 250 der uralten – zum Teil über 1000 Jahre alten – Häuser sind den Flammen zum Opfer gefallen. Rund 2600 Leute mussten ein neues Zuhause finden. Laut unbestätigten Informationen gab es ein Problem mit dem Brandschutz. Zwar war (ist) die ganze Altstadt mit einem Wasserleitungsnetz vor Feuer geschützt – nur waren leider die Leitungen Mitte Januar zugefroren.

Shangri-La ist trotzdem ein lohnenswertes Ziel, die Lage und die (Überreste der) Altsadt ist (sind) wunderschön.
Ein Grossteil der Einwohner sind Tibeter und so ist auch ein tibetanisches Kloster in der Nähe zu besichtigen.

Ein sympathischer Aspekt des tibetanischen Buddhismus sind die rationalen Wege sein Karma zu verbessern und so ins Nirwana zu gelangen. So kann zum Beispiel eine Gebetsmühle gedreht werden. Jede Umdrehung “rezitiert” ein Gebet und der Gebetsmühlendrehende rückt ein Stück näher ans Nirwana. Eine andere Möglichkeit besteht darin Gebetsfahnen in den Wind zu hängen. Durch die Bewegung werden die Gebete “aufgesagt” – alles viel unkomplizierter und effizienter als selbst zu beten.
Wir Maschineningenieure mögen natürlich solch effiziente Rationalisierungen und so haben wir die Sache  ins digitale Zeitalter übertragen und zack sollten wir gleich im Nirwana landen:

für unser Karma: endlose Gebete
*klick* für unser Karma: endlose Gebete

Nach alle diesen Anstrengungen sehnten sich unsere Lungen nach mehr Sauerstoff und unsere Haut nach mehr Feuchtigkeit. Daher reisten wir zunächst nach Kunming zurück von wo aus wir den Zug nach Guangzhou nahmen um in Hong Kong einzureisen.