Archiv der Kategorie: Kambodscha

Phnom Penh

Die Strecke zwischen Siem Reap und Phnom Penh kann man fast vollständig per Boot auf dem Tonle Sap zurücklegen, ein grosser See und gleichnamiger Fluss, der bei Phnom Penh in den Mekong mündet. Sein Wasserspiegel variiert saisonal um bis zu 10 Meter, aufgrund eines einzigartigen Naturphänomens: Wenn der Mekong im Juni Hochwasser führt, drängt das Wasser in den sehr flachen Tonle Sap Fluss. Dieser ändert seine Flussrichtung und füllt den See in den folgenden Monaten wieder auf, bis im September ein grosser Teil der Agrarfläche Kambodschas überschwemmt ist.

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Zur Zeit ist der Pegel relativ tief, so tief dass unser Boot sogar einmal auf Grund lief, sich aber per Rückwärts-Vollgas wieder befreien konnte…
Hier ein paar Bilder von der malerischen Fahrt.

Nach dem UNESCO-Tourismus-Krisengebiet Siem Reap war die Hauptstadt Phnom Penh wie eine Erleichterung. Die Stadt und seine Bewohner verströmen eine moderne, aufgeschlossene Stimmung. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass alles um einen herum nur dem Tourismus dient, und man nur als wandelndes Portemonnaie wahrgenommen wird.

Im Alltag waren wir (mal wieder) von der Hitze und dem Verkehr überwältigt. Eine Strasse zu überqueren kann einen an den Rand der Verzweiflung bringen. Zu viele Töffli und zu wenig Regeln… Und wir sind mal wieder erstaunt was man alles per Motorrad transportieren kann.

Das Erbe der französischen Kolonialherrschaft ist hier und da noch anhand schöner Gebäude (und französischen Reisegruppen) zu sehen, vor allem aber beim Essen spürbar: Es gibt sowohl lokale als auch westliche Küche vom feinsten. Gipfeli zum Zmorge und den besten grünen Salat (ok auch der einzige) unserer bisherigen Reise.

Einen Exkurs in die verstörende Geschichte Kambodschas haben wir mit einem Besuch der ‘Killing Fields’ (Choeung Ek) erlebt. Dabei handelt es sich um ein Gelände am Rand von Phnom Penh auf welchem in den siebziger Jahren tausende unschuldige Menschen von den roten Khmer auf bestialische Weise getötet und verscharrt wurden.
Die meisten der hier ermordeten waren zuvor inhaftiert im Tuol-Sleng Gefängnis, eine zum Foltergefängnis umgebaute Schule (!), welches heute ebenfalls als Museum und Gedenkstätte zugänglich ist.
In den vier Jahren ihrer Herrschaft haben es Pol Pot und seine Genossen geschafft, 2.2 Millionen Menschen oder fast einen Drittel ihrer eigenen Landsleute zu ermorden.

Das buddhistische Denkmal in Choeung Ek, bis unters Dach gefüllt mit Knochen der hier ermordeten
Das buddhistische Denkmal in Choeung Ek, bis unters Dach gefüllt mit Knochen der hier Ermordeten

Erst die Vietnamesen bewirkten das Ende dieses Wahnsinns, indem sie 1978 in Kambdoscha einmarschierten und es befreiten. Bemerkenswert ist, dass viele westliche Länder die roten Khmer weiterhin als legitime Regierung anerkannten (und teils mit Waffen unterstützten). Grund: Vietnam ist kommunistisch, und Amerika hatte da kürzlich einen Krieg verloren.

Wir machen es umgekehrt, und marschieren in Vietnam ein.

Kambodscha dies und das

Kambodscha war das erste Land welches uns beiden bisher unbekannt war, und von dem wir uns kaum eine Vorstellung gemacht haben. Deshalb hier zuerst ein paar Dinge, die uns gleich oder mit der Zeit aufgefallen sind.

Was für einen Unterschied bei Land und Leuten eine Landesgrenze (und ein paar Kilometer Distanz) ausmachen, hat uns mal wieder überrascht. Im Gegensatz zu Thailand wo immer nur gelächelt wird, zeigen die Leute hier auch wenn sie mal keinen Bock haben. Dafür wirkt eine freundliche Geste oder ein Lächeln wieder erfrischend und ehrlich.

Dabei könnte man meinen, die Kambodschaner hätten wenig Grund zum Lachen. Die Geschichte der letzten zweihundert Jahre hat es nicht gut gemeint mit Kambodscha: Als eines der ärmsten Länder der Welt hat es noch immer zu kämpfen mit dem Erbe des Kolonialismus, des Vietnamkrieges, und vor allem der roten Khmer.

Die Landeswährung namens Riel ist an den US Dollar gekoppelt (4000 Riel = 1$). Am Bankomat gibt es nur Dollar, Dollarmünzen sind aber keine im Umlauf, im Alltag werden beide Währungen verwendet. Man bezahlt z.b. ein Essen für 8.50$ mit einem 5$- und einem 20’000 Riel-Nötli, und bekommt als Retourgeld einen Dollar und 2000 Riel. Man hat insgesamt etwa 15 verschiedene Noten zur Verfügung, was anstrengend sein kann wenn man beide Währungen nicht kennt…

Riel, Dollar, Same Same
Riel, Dollar, Same Same

Man(n) kann es kaum glauben, aber diese Kambodschaner brauen das uns wohlbekannte Anker-Bier, und schreiben seinen Namen in bestem Thuorgauerdütsch!

Angkor Bior
Angkor Bior

Dank dem französischen Kolonialeinfluss wird in Kambodscha rechts gefahren. Dies (und der lokale Fahrstil) führt dazu, dass wir täglich fast überfahren werden beim Strassen überqueren, da wir uns schon fast an den Linksverkehr gewöhnt hatten. Auch lustig war das Verkehrschaos auf der Brücke beim Grenzübergang, wo alle Fahrzeuge die Seite wechseln müssen, aber irgendwie der Platz dafür vergessen wurde.

Remork (oder auch Tuk-Tuk)
Das klassische Tuk-Tuk ist ein Dreiradmobil. Das lokale Massentransportmittel hingegen besteht aus einer Kombination aus Töff und Wagen die uns bisher noch nicht begegnet ist: der Wagen wird wie ein Sattelschlepper auf den leicht modifizierten Töff montiert. Nutzlast: Soviel wie irgendwie möglich und dann noch ein bisschen. Um die aus Thailand einreisenden Touristen nicht noch mehr zu verwirren (Arkuun statt Kapunkaa für Danke  z. B.), wird das Remork im allgemeinen aber Tuk-Tuk genannt, obwohl die kambodschanische Regierung nicht damit einverstanden ist.

Personen-Tuktuk für 5 Touristen oder 10 Einheimische
Personen-Remork für 5 Touristen oder 10 Einheimische
Da hätte eigentlich noch mehr Platz obendrauf
Da geht noch was: Last-Remork

 

Siem Reap: Steine kontemplieren

Seit Beginn unserer Reise stellen wir fest, dass vor uns schon unzählige Leute dieselben Sachen gemacht haben wie wir (was für eine Überraschung).  Zudem stellt sich heraus, dass in Zeiten von Internet und Co. jedermann seine Erfahrungen mit dem Rest der Welt teilen will. Daher kann man mit Hilfe von Google jederzeit den entsprechenden Eintrag finden, der einem weiterhilft. Da Grenzübergänge immer ein wenig respekteinflössend sind, waren wir dankbar diesen Artikel im Internet gefunden zu haben, der uns vor einigen Fallen und vermeidbaren “Gebühren” beim Grenzübertritt nach Kambodscha bewahrte.

Nun denn, in Bangkok stiegen wir früh morgens  in den Bus nach Siem Reap und bekamen sogleich ein Zmorge und einen Buspass.

Samuel: stolzer Besitzer eines Buspasses
Samuel: stolzer Besitzer eines Buspasses

Auch der Grenzübergang in Poi Pet erwies sich als unkompliziert. Zum ersten Mal haben wir jedoch ein bitzli Schmiergeld “Spezialgebühr” bezahlt um unsere Visa zu bekommen.  Zwischen den beiden Grenzposten stehen einige Casinos, in welchem ununterbrochen gequalmt und gezockt wird. Da in Thailand anscheinend Glücksspiele verboten sind, kommen viele Thais hierher und müssen nicht einmal in Kambodscha einstempeln um ihr Geld zu verlieren, optimal!

Im Casino-No-mans-land
Im Casino-no-mans-land

Der Bus tuckerlte nach 3 Stunden Grenzpause weiter nach Siem Reap. Diese Stadt ist das touristische Einfallstor zu Kambodscha, da sich in der Umgebung viele viele Tempelruinen (Angkor) befinden- unter anderem die berühmteste: Angkor Wat.

Während circa 600 Jahren zwischen dem 9. Jahrhundert und dem 15. Jahrhundert bildete Angkor ein Zentrum der Macht in der Region. Jeder Monarch baute seinen eingenen Tempel, der natürlich prächtiger zu sein hatte, als derjenige des Vorgängers. In der Hochblüte (11. Jh.) von Angkor zählte die Stadt Angkor Thom – so schätzt man – bis zu 1 Million Einwohner, also zehn Mal soviel wie Winterthur heute. Da sie damals ihre Wohnhäuser leider aus Holz bauten, sind lediglich die steinernen Tempelanlagen übrig geblieben. Interessanterweise sind die meisten Tempel hinduistisch – Angkor Wat beispielsweise ist Vishnu gewidmet.

Ob hinduistisch oder buddhistisch (manchmal auch beides) entschied der jeweilige König, sodass der Nachfolger zum Beispiel alle Buddha Bilder aus den Reliefs seines buddhistischne Vorgängers kratzen liess:

aus dem Relief gekratzer Buddha
Buddha: weg

Ein Besuch von Angkor lohnt sich in jedem Fall. Am ersten Tag fühlten wir uns nicht sehr fit und haben daher ein Tuktuk gemietet. In den darauffolgenden Tagen waren wir jedoch mit dem Velo unterwegs, was viel bequemer war, da wir so selbst entscheiden konnten, wo wir wann hinradeln.

Dank dem Tuktuk haben wir eine Übersicht über die sehenswertesten Ruinen bekommen und konnten in den folgenden Tagen die interessanteren Tempel mit dem Velo besuchen.

Ein interessanter Tempel ist Bayon inmitten der Stadt Angkor Thom. Bayon ist berühmt wegen der lächelnden Gesichter auf den “lotusknospenförmigen” Türmen und wegen der Reliefs, die unter anderem das Alltagsleben zur Angkor – Zeit zeigen.

Auch beeindruckend war der Baphuon. Dieser Tempel erlangte Berühmtheit durch seine nicht sehr stabile Bauweise. So wurde im 15. Jahrhundert auf der einen Seite des Tempels aus zusammengefallenen Teilen ein stümperhaftes Buddah-Relief zusamengebaut. Der Tempel ist auch bekannt als riesengrosses 3D Puzzle, an dessen Wiederzusammensetzung mehr als 50 Jahre gearbeitet wurde.

Wer Tomb Raider gespielt hat (spielt?) ist höchstwahrscheinlich etwas ähnlichem begegnet wie dem Ta Prohm, dessen Hauptattraktion die verschlungenen Dschungelpflanzen sind. Die französischen Archäologen , die mit den Arbeiten in Angkor begannen, beschlossen einen Tempel so zu belassen, wie sie ihn gefunden hatten. Wer sich an Angelina Jolie nicht stört, kann den Tempel hier noch in Bewegtbildern betrachten.

Schliesslich TADAAA Angkor Wat. Zum Glück sind wir nicht sehr begabte Frühaufsteher, sonst wären wir mit der ganzen Touristenmeute zum Sonnenaufgang bei Angkor Wat gewesen. Da wir eh schon zu spät dran waren, haben wir uns die Zeit gelassen und erreichten mit unseren Klappervelos Angkor Wat um die Mittagszeit. Wir nehmen an, dass sämtliche chinesischen Reisegruppen gerade beim Mittagessen waren,  da wir fast allein in der ganzen Tempelanlage rumlaufen konnten. Sehr beeindruckend sind die Basreliefs. Selten sieht man so filigrane Steinmetzarbeiten. Viele Skulpturen zeigen Apsaras -himmlische Tänzerinnen, die der Legende nach die Tanzkunst zu den Khmer brachten.

Nebst den Tempelruinen konnten wir die Arbeit von Archäologen betrachten. So sind die Renovierungsarbeiten bei vielen Tempelruinen immer noch im vollen Gang. Da Angkor zum Unesco Weltkulturerbe zählt, beteiligt sich die ganze archäologische Welt an den Kosten.

Irgendwann hatten wir genug vom Steine anschauen- so beeindruckend diese auch waren und so beschlossen wir uns nach Phnom Penh einzuschiffen, da in Siem Reap nicht viel mehr zu tun ist.