Hội An – Weltkulturerbe zum ersten

Die erste Zugfahrt unserer Reise sollte uns vom Russenstrand Mũi Né über Nacht komfortabel nach Đà Nẵng führen. Mangels freien Plätzen haben wir nur die zweitbeste Schlafwagenklasse gebucht: Zwei mal drei Betten übereinander in einem geschlossenen Abteil. Wie erwartet eine eher enge Angelegenheit, zumal noch Unmengen Gepäck und zwei Kleinkinder zu den sechs Passagieren dazu kamen.

Trick: Im obersten Bett kann man die Füsse ins Gepäckabteil auslagern und sich fast ganz ausstrecken!
Trick: Im obersten Bett kann man die Füsse ins Gepäckabteil auslagern und sich fast ganz ausstrecken!

Im Zug stellten wir fest, dass unsere Tickets die einzigen waren, die mit Plastikfolie überzogen und einem eher sinnlosen Hinweis versehen waren.

Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus: Der Reiseveranstalter der uns die beiden Tickets verkauft hat, hat sich eine fürstliche Buchungsgebühr gegönnt, und hatte offenbar keine Lust die Höhe dieses Betrags mit uns zu diskutieren. Für den Aufpreis hätten wir die 30km zum Bahnhof per Taxi zurücklegen, das Ticket am Bahnhof kaufen, und hinterher in einem überteuerten Touri-Restaurant fein Essen und uns ziemlich betrinken können. Wir finden: Für die gekonnte Bastelarbeit und unsere Dummheit hat er seine Dollars und wir unser Lehrgeld verdient.

Nach der Ankunft in Đà Nẵng ging’s direkt weiter nach Hội An. Ein malerisches Städtchen mit grosser Vergangenheit als Handelsstützpunkt der Seidenstrasse, leidet heute unter dem zweifelhaften Segen des UNESCO Weltkulturerbes: Millionen von Touristen aus aller Welt. Die lokale Besonderheit: Man kann sich innerhalb von wenigen Tagen Kleider und Anzüge auf Mass Schneidern lassen. Einige hundert Schneidergeschäfte lockern die endlosen Reihen der Souvenirläden auf, buhlen aber nicht weniger penetrant um die Gunst des Touristen. “Helloo siirmadaam YOUBAISOMSIIIING?” – Der immergleiche Spruch tönt hinter dem immergleichen Ramsch hervor, egal wie desinteressiert man daran vorbeischlendert.

Abends konnte man einem Filmteam bei der Arbeit zuschauen. Soviel wir mitgekriegt haben wird es ein TV-Drama fürs vietnamesische Publikum, das in den 1940ern spielt. Eine besonders dramatische Szene haben wir aus unserer Perspektive gleich mitgefilmt: Um dem Rummel zu entfliehen mieteten wir uns zwei Velos um damit zum Strand zu fahren, der sich nur wenige Kilometer vom Städtchen entfernt ausbreitet. Dort galt es zuerst, die lokale Veloparkplatz-Mafia zu überlisten: älteren Damen die aus dem Nichts auftauchen sobald man irgendwo seinen Veloständer betätigt, und “Parking Manii” in Endlosschlaufe rufen. Danach konnten wir in Ruhe die Bauruinen geplanter Luxusresorts und die ruinierten Luxuskörper der in der Sonne bratenden russischen Touristen bewundern.

Strand, Bauruine, russische Touristin (Symbolbild)
Strand, Bauruine, russische Touristin (Symbolbild)

Der Frühaufsteher in unserer Reisegruppe unternahm am nächsten Tag einen Frühaufsteherspaziergang, und fand ein wunderbares Städtchen mit viel einheimischem Leben vor.

Was uns ebenfalls wieder ein bisschen mit Hội An versöhnte, war eine Velotour zu den umliegenden Dörfern, welche von einer lokalen Studentin geführt wurde, gratis und nur um ihr Englisch an uns Touristen zu üben.

Von Hội An führte uns die Reise zuerst zurück nach Đà Nẵng, der drittgrössten Stadt von Vietnam. Wir genossen es, im täglichen Leben der Stadt zu versinken, nicht mehr an einem Ort zu sein wo alles nur auf Touristen zugeschnitten ist. Wir legten einen ungeplanten Service-Tag ein: Nathalie verbrachte einen Tag im Hotelzimmer und kurierte eine kleine Grippe, Samuel hühnerte in der Stadt herum und suchte einen neuen Akku für unseren Laptop und Batterien für das beknackte Postfinance-Onlinebanking-Grätli (Akku gefunden, Problem nicht behoben – Batterien gefunden, Grätli funktioniert immer noch nicht). Aber Nathalie gings wieder besser!

Mui Ne hemmer xe

Nach Saigon wollte Samuel unbedingtestens Kitesurfen lernen (seither ist er schreibfaul) und informierte sich vorab im Internet. Daher nahmen wir den Bus nach Mui Ne.

für einen Samuel wird es dann doch ein bitzli eng
für einen Samuel wird es dann doch ein bitzli eng
Eine Hälfte von Nathalie hat tiptop Platz im "Sleeper"- Bus
eine Nathalie hat tiptop Platz im “Sleeper”- Bus

Dort verweilten wir ein paar Tage. Während Samuel übte einen Drachen in der  Luft zu behalten, las Nathalie Bücher und schlief und so. Daher gibt es nicht viel zu berichten.

Symbolbild: Kitesurfen (Samuel hatte zu diesem Zeitpunkt schon einen Sonnenbrand)
Symbolbild: Kitesurfen (Samuel hatte zu diesem Zeitpunkt schon einen Sonnenbrand)

Wir Europäer reisen nun schon seit ein paar Jahren – dadurch haben sich gewisse Orte und Stätten als Tourismuszentren herausgebildet. Auch entstanden im Verlauf der Jahre “Gringotrails”,  bestehend aus den Orten, welche alle Backpacker besuchen. So bereist zum Beispiel der typische Rucksacktourist in Thailand folgende Orte: Ko Phangan (Full Moon Party!!), Ko Phiphi (Bucketdrink, The Beach), Bangkok (Khao San Road) und Chiang Mai (Trekking in den Bergen und Besuch der Bergvölker). Alles in allem ergibt dies jeweils ein paar Orte in einem Land, in welchen sich der Tourismus konzentriert.

Nun in der Zwischenzeit sind andere Leute aus anderen Weltteilen auch zu Wohlstand gekommenund können es sich leisten an ferne Strände zu reisen. So zum Beispiel die Russen.

Die Russen pflegen in grossen Reisegruppen zu reisen, wenn möglich von “Pegas” organisiert. So stellen sie sicher, dass alle ihre Wünsche auf russisch erfüllt werden. Sodann werden einzelne Destinationen von diesen Reisegruppen annektiert. So geschehen mit Phuket und so geschehen mit Mui Ne.

Auch die Zeitvertreibe von Russen unterscheiden sich meist von unseren Vorlieben. So stehen Jetski und Allrad auf den Dünen fahren hoch im Kurs. Eigentlich alles was den Anschein von Potenz hat.

Nun ja, wir mögen es etwas subtiler und haben zu Fuss die Dünen erklommen:

Und dazu noch zwei Schoggelis:

Der lange Marsch der Nathalie auf der Düne
Der lange Marsch der Nathalie auf der Düne (bitte draufklicken)
de Samuel gumpt vo de düne (bitte drauf klicken)
de Samuel gumpt vo de düne (bitte drauf klicken)

 

Auch zum Suoi Tien (Feen Fluss) gingen wir zu Fuss und ohne in Versuchung zu kommen dort auf Straussen zu reiten(!). Dort wurden wir wirklich mit einer märchenhaften Umgebung belohnt.

Alles in allem haben wir ein paar nette ruhige Tage in Mui Ne verbracht und es sogar geschafft einmal für den Sonnenaufgang aufzustehen (wir sind nachher wieder schlafen gegangen).

Schliesslich waren wir soweit, dass wir unsere Siebensachen gepackt haben und zum ersten Mal auf dieser Reise den Zug nahmen.

 

Sai Gon oder Ho Chi Minh City oder HCMC

Chau Doc konnte vor allem eines nicht bieten: Bier trinken in einer Bar nach 21:00 Uhr. Also nahmen wir den nächsten Bus nach Saigon.

Saigon hat einen wunderbar romantischen Klang. Nach der Wiedervereinigung von Süd- und Nordvietnam (auch bekannt als Niederlage der Amerikaner im Vietnamkrieg) wurde Saigon zu Ehren des Revolutionärs Ho Chi Minh (oder auch Bac Ho –  Onkel Ho) unbenannt. Das alte Stadtzentrum heisst jedoch weiterhin offiziell Saigon und die ganze Stadt wird im Alltag noch Saigon genannt.

So wackelten wir munter und mit genügend Wasser gerüstet rund um die Innenstadt und stiessen auf den prunkvollen Präsidentenpalast.  In diesem Video ist der Präsidentenpalast 1975 zu sehen. (Leider scheinen hier nicht alle Teile des Internets gleich gut zu funktionieren, daher müsstet ihr den Präsidentenpalast im Filmli selber suchen. Aber auch der ganze Film lohnt sich.)

Der Palast wurde nach der Niederlage Südvietams so beibehalten, auch wenn heute noch zum Teil die Konferenzsäle genutzt werden. Beim Tourismisieren dieses Palastes findet man sich in die Siebziger zurück versetzt.

Nahe am Präsidentenpalast befindet sich die Kathedrale, wo wir prompt in einen vietnamesischen Gottesdienst hineinplatzten… Ungewöhnlich für uns waren (nebst der Sprache) auch die vielen Deckenventilatoren, die dort installiert waren. Leider hat Samuel vergessen die Ventilatoren zu fotografieren, daher hier ein Bild des Pfarrers:

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katholischer Priester (Bischof?) in violett

Während des Krieges hatten die Vietcong in der Nähe von Saigon einen heimlichen Stützpunkt errichtet. Da die Amerikaner mit Hilfe verschiedenster giftiger Chemikalien den ganzen Wald vernichteten, haben die Vietcong halt ein riesiges Netz unterirdischer Tunnels und Räume gebuddelt. Die Cu Chi Tunnel kann man heute besuchen, was wir uns nicht entgehen lassen wollten und darin beinahe steckenblieben.

Habe ich schon erwähnt, dass wir in Saigon viel Zeit mit Herumlaufen zugebracht haben? Haben wir nämlich.

Ein paar Dinge sind uns besonders aufgefallen:

  • In Saigon fahren unzählige Töfflis in alle Richtungen
  • Saigon ist so sauber wie Zürich (ja wirklich!)
  • Saigon ist eine moderne Stadt, die an der Entstehung einer asiatischen Grossstadtsskyline arbeitet.
  • Es scheint als würden in Saigon Millionen Motorräder dir auf der falschen Spur entgegenkommen.
  • Saigon ist eine grüne Stadt, es gibt viele grosszügige, sehr gepflegte Parks.
  • Die grösste Baustelle der Stadt bildet die Metro, die irgendwann in der Zukunft fertig gebaut sein wird.
  • Habe ich schon erwähnt, dass die Verkehrsituation auf Grund der vielen motorisierten Zweiräder schwer zu fassen ist.

 

Um einen Herzinfarkt oder auch Unfall zu vermeiden, stiegen wir nach ein paar Tagen in den Bus Richtung Mui Ne…

erster McDonalds von Vietnam

Ein Burger mit ein bitzli Ketchup in einem Brötchen tönt nach fast zwei Monaten Reis essen sehr verführerisch. Dank dem Internet erfuhren wir,  dass vor knapp einem Monat der erste McDonalds von Vietnam in Ho Chi Minh City eröffnet wurde. Das wollten wir uns näher ansehen (und einen Burger essen).

Schlange vor dem Eingang, zumindest vorgesehen
Schlange vor dem Eingang, zumindest ist sie vorgesehen

Im kommunistisch geprägten Vietnam ist das Prinzip der schnellen Bestellung (noch?) nicht sehr verbreitet, daher müssen alle Leute erzogen werden. So muss man schon vor dem Eingang seine Bestellung mit Hilfe einer Menukarte (!) auf einen Zettel aufschreiben.  Anschliessend wird man hineinbegleitet und die Bestellung wird digital aufgenommen. Dann wird man einer Kasse zugewiesen. Dort versichert sich die Kassiererin noch einmal, ob die Bestellung korrekt ist, und nach kurzem Warten  (und Bezahlen) erhält man schliesslich den langersehnten Burger.

zack und schon ist der Burger wieder weg
Mampf und schon ist der Burger wieder weg: fastfood
wer will das nicht, ein Erinnerungs-T-Shirt an den McDonalds Besuch
Wer will das nicht? Ein Erinnerungs-T-Shirt an den McDonalds Besuch.

 

Chau Doc – mitten im Nirgendwo

Nach ein paar Tagen Phnom Penh beschlossen wir nach Vietnam weiterzureisen. Mitentscheidend war, dass unsere Visa für Vietnam ab sofort und 30 Tage gültig war. D. h. je länger wir in Kambodscha rumlungerten, desto kürzer war die Zeit, die wird legal in Vietnam verbringen dürfen. Mit der Schiffsfahrt von Siem Reap nach Phnom Penh im Kopf buchten wir eine Bootsfahrt nach Chau Doc in Vietnam. Bis die pittoreske Schiffsfahrt begann, wurden wir mit dem Minibus bis zur Grenze chauffiert. Dort gaben wir unsere Pässe einem Mann ab, der versprach, sich um unsere Stempel zu kümmern. Zu Fuss und ohne Pass gingen wir über die Grenze bis zur Anlegestelle:

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Grenzübergang zwischen Kambodscha und Vietnam ohne Pass? Hmm.

Dort bekamen wir jedoch unsere frisch gestempelten Pässe zurück und stiegen beruhigt auf unser Schiffli:

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unsere Rucksäcke drauf; das muss unser Schiffli sein.

Der Mekong zerteilt sich im Unterlauf in viele verschiedene Arme, welche zusammen mit den künstlich angelegten Bewässerungskanälen ein riesiges Labyrinth von Wasserstrassen ergeben. Diese Region bildet das berühmte Mekong-Delta. Auch auf dieser Schiffsfahrt gab es das eine oder andere Sehenswerte:

Schliesslich landeten wir in Chau Doc. Dort hatten wir im Hotel “Homestay” eine Nacht gebucht und dabei nicht (nichts?) viel gedacht. Im Internet stand eine Adresse und so dachten wir, dass wir dort übernachten werden. Wie das so ist, wenn man verschwitzt und müde mit einem Touristen-Fahrzeug an einen neuen Ort ankommt,  wird man sogleich von allen möglichen Leuten bestürmt dies und das zu kaufen. Gleich bei der Anlagestelle bot ein Cyclo – Fahrer uns zu unserem Hotel zu fahren.  Nach einigem Hin und Her willigten wir schliesslich auf sein intensives Drängen ein und so radelte der Fahrer los.  Nach ca. 6 km Fahrt auf dem Veloanhänger und dem Hotel “Homestay” nirgends in Sicht, suchten wir ein Internet um herauszufinden, wo wir wirklich hin sollten. Das Internet war schnell gefunden, ebenso eine Telefonnummer und eine Adresse.

Internet gefunden tscheck, Cyclo-Fahrer und Nathalie am sich erholen...
Internet gefunden tscheck, Cyclo-Fahrer und Nathalie am sich erholen…

Ein Telefonat später fuhr uns der Cyclo-Fahrer zurück in die Stadt. Dort angekommen fiel der Groschen langsam und es stellte sich heraus, dass es kein Hotel “Homestay” gibt, sondern eine Agentur, die private Gästezimmer vermittelt (wer hätte das gedacht bei diesem Namen?!). Die Agentur organisierte sogleich die Fahrt zu dem gebuchten Gästezimmer auf dem Rücksitz von zwei Motorrollern.

Mototaxi mit Gepäck-  Helm ist inklusive
Mototaxi mit Gepäck- Helm ist inklusive

Wir landeten in einem Bauernhaus, weit weg von jeglichem Tourismus-tamtam. Unsere Gastgeber sprachen kein Wort Englisch oder Französisch, sodass schon der kleinste Versuch von Kommunikation in hilflosem Schulterzucken endete. Daher beschlossen wir im nächsten Café etwas trinken zu gehen. Dort wurden wir auch sehr freundlich empfangen und gwunderig angeschaut aber die Kommunikation funktionierte hier nicht besser – also gar nicht. Und statt eines Bieres bekamen wir einen Eistee- auch fein. Nach einer erholsamen Nacht gab es ein feinstes Zmorge: Reissuppe mit Leberstückchen und vietnamesischen Kaffee:

mmmh Leberstückli in Reissuppe zum Zmorgen, besser kann der Tag fast nicht starten
mmmh Leberstückli in Reissuppe zum Zmorgen, besser kann der Tag (fast) nicht starten

So gestärkt, führte uns Jin (von der Agentur) auf die Felder der Umgebung und erklärte uns die vietnamesische Landwirtschaft.

Am späteren Nachmittag fuhren wir mit zwei Mototaxis zum Mount Sam. Damit Sämi ein Föteli von sich auf seinem Berg machen konnte und zum Sonnenuntergang, weil man das als Tourist so macht in Chau Doc:

diesmal nicht sonderlich spektakulär: der Sonnenuntergang
diesmal nicht sonderlich spektakulär: der Sonnenuntergang
stolzer Samuel auf seinem Berg
stolzer Samuel auf seinem Berg

Nach zwei Tagen auf dem Land ging es weiter nach Ho Chi Minh City aka HCMC aka Saigon. Weil dort kann man auch nach 21:00 Uhr ein Bier trinken.

Phnom Penh

Die Strecke zwischen Siem Reap und Phnom Penh kann man fast vollständig per Boot auf dem Tonle Sap zurücklegen, ein grosser See und gleichnamiger Fluss, der bei Phnom Penh in den Mekong mündet. Sein Wasserspiegel variiert saisonal um bis zu 10 Meter, aufgrund eines einzigartigen Naturphänomens: Wenn der Mekong im Juni Hochwasser führt, drängt das Wasser in den sehr flachen Tonle Sap Fluss. Dieser ändert seine Flussrichtung und füllt den See in den folgenden Monaten wieder auf, bis im September ein grosser Teil der Agrarfläche Kambodschas überschwemmt ist.

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Zur Zeit ist der Pegel relativ tief, so tief dass unser Boot sogar einmal auf Grund lief, sich aber per Rückwärts-Vollgas wieder befreien konnte…
Hier ein paar Bilder von der malerischen Fahrt.

Nach dem UNESCO-Tourismus-Krisengebiet Siem Reap war die Hauptstadt Phnom Penh wie eine Erleichterung. Die Stadt und seine Bewohner verströmen eine moderne, aufgeschlossene Stimmung. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass alles um einen herum nur dem Tourismus dient, und man nur als wandelndes Portemonnaie wahrgenommen wird.

Im Alltag waren wir (mal wieder) von der Hitze und dem Verkehr überwältigt. Eine Strasse zu überqueren kann einen an den Rand der Verzweiflung bringen. Zu viele Töffli und zu wenig Regeln… Und wir sind mal wieder erstaunt was man alles per Motorrad transportieren kann.

Das Erbe der französischen Kolonialherrschaft ist hier und da noch anhand schöner Gebäude (und französischen Reisegruppen) zu sehen, vor allem aber beim Essen spürbar: Es gibt sowohl lokale als auch westliche Küche vom feinsten. Gipfeli zum Zmorge und den besten grünen Salat (ok auch der einzige) unserer bisherigen Reise.

Einen Exkurs in die verstörende Geschichte Kambodschas haben wir mit einem Besuch der ‘Killing Fields’ (Choeung Ek) erlebt. Dabei handelt es sich um ein Gelände am Rand von Phnom Penh auf welchem in den siebziger Jahren tausende unschuldige Menschen von den roten Khmer auf bestialische Weise getötet und verscharrt wurden.
Die meisten der hier ermordeten waren zuvor inhaftiert im Tuol-Sleng Gefängnis, eine zum Foltergefängnis umgebaute Schule (!), welches heute ebenfalls als Museum und Gedenkstätte zugänglich ist.
In den vier Jahren ihrer Herrschaft haben es Pol Pot und seine Genossen geschafft, 2.2 Millionen Menschen oder fast einen Drittel ihrer eigenen Landsleute zu ermorden.

Das buddhistische Denkmal in Choeung Ek, bis unters Dach gefüllt mit Knochen der hier ermordeten
Das buddhistische Denkmal in Choeung Ek, bis unters Dach gefüllt mit Knochen der hier Ermordeten

Erst die Vietnamesen bewirkten das Ende dieses Wahnsinns, indem sie 1978 in Kambdoscha einmarschierten und es befreiten. Bemerkenswert ist, dass viele westliche Länder die roten Khmer weiterhin als legitime Regierung anerkannten (und teils mit Waffen unterstützten). Grund: Vietnam ist kommunistisch, und Amerika hatte da kürzlich einen Krieg verloren.

Wir machen es umgekehrt, und marschieren in Vietnam ein.

Kambodscha dies und das

Kambodscha war das erste Land welches uns beiden bisher unbekannt war, und von dem wir uns kaum eine Vorstellung gemacht haben. Deshalb hier zuerst ein paar Dinge, die uns gleich oder mit der Zeit aufgefallen sind.

Was für einen Unterschied bei Land und Leuten eine Landesgrenze (und ein paar Kilometer Distanz) ausmachen, hat uns mal wieder überrascht. Im Gegensatz zu Thailand wo immer nur gelächelt wird, zeigen die Leute hier auch wenn sie mal keinen Bock haben. Dafür wirkt eine freundliche Geste oder ein Lächeln wieder erfrischend und ehrlich.

Dabei könnte man meinen, die Kambodschaner hätten wenig Grund zum Lachen. Die Geschichte der letzten zweihundert Jahre hat es nicht gut gemeint mit Kambodscha: Als eines der ärmsten Länder der Welt hat es noch immer zu kämpfen mit dem Erbe des Kolonialismus, des Vietnamkrieges, und vor allem der roten Khmer.

Die Landeswährung namens Riel ist an den US Dollar gekoppelt (4000 Riel = 1$). Am Bankomat gibt es nur Dollar, Dollarmünzen sind aber keine im Umlauf, im Alltag werden beide Währungen verwendet. Man bezahlt z.b. ein Essen für 8.50$ mit einem 5$- und einem 20’000 Riel-Nötli, und bekommt als Retourgeld einen Dollar und 2000 Riel. Man hat insgesamt etwa 15 verschiedene Noten zur Verfügung, was anstrengend sein kann wenn man beide Währungen nicht kennt…

Riel, Dollar, Same Same
Riel, Dollar, Same Same

Man(n) kann es kaum glauben, aber diese Kambodschaner brauen das uns wohlbekannte Anker-Bier, und schreiben seinen Namen in bestem Thuorgauerdütsch!

Angkor Bior
Angkor Bior

Dank dem französischen Kolonialeinfluss wird in Kambodscha rechts gefahren. Dies (und der lokale Fahrstil) führt dazu, dass wir täglich fast überfahren werden beim Strassen überqueren, da wir uns schon fast an den Linksverkehr gewöhnt hatten. Auch lustig war das Verkehrschaos auf der Brücke beim Grenzübergang, wo alle Fahrzeuge die Seite wechseln müssen, aber irgendwie der Platz dafür vergessen wurde.

Remork (oder auch Tuk-Tuk)
Das klassische Tuk-Tuk ist ein Dreiradmobil. Das lokale Massentransportmittel hingegen besteht aus einer Kombination aus Töff und Wagen die uns bisher noch nicht begegnet ist: der Wagen wird wie ein Sattelschlepper auf den leicht modifizierten Töff montiert. Nutzlast: Soviel wie irgendwie möglich und dann noch ein bisschen. Um die aus Thailand einreisenden Touristen nicht noch mehr zu verwirren (Arkuun statt Kapunkaa für Danke  z. B.), wird das Remork im allgemeinen aber Tuk-Tuk genannt, obwohl die kambodschanische Regierung nicht damit einverstanden ist.

Personen-Tuktuk für 5 Touristen oder 10 Einheimische
Personen-Remork für 5 Touristen oder 10 Einheimische
Da hätte eigentlich noch mehr Platz obendrauf
Da geht noch was: Last-Remork

 

Siem Reap: Steine kontemplieren

Seit Beginn unserer Reise stellen wir fest, dass vor uns schon unzählige Leute dieselben Sachen gemacht haben wie wir (was für eine Überraschung).  Zudem stellt sich heraus, dass in Zeiten von Internet und Co. jedermann seine Erfahrungen mit dem Rest der Welt teilen will. Daher kann man mit Hilfe von Google jederzeit den entsprechenden Eintrag finden, der einem weiterhilft. Da Grenzübergänge immer ein wenig respekteinflössend sind, waren wir dankbar diesen Artikel im Internet gefunden zu haben, der uns vor einigen Fallen und vermeidbaren “Gebühren” beim Grenzübertritt nach Kambodscha bewahrte.

Nun denn, in Bangkok stiegen wir früh morgens  in den Bus nach Siem Reap und bekamen sogleich ein Zmorge und einen Buspass.

Samuel: stolzer Besitzer eines Buspasses
Samuel: stolzer Besitzer eines Buspasses

Auch der Grenzübergang in Poi Pet erwies sich als unkompliziert. Zum ersten Mal haben wir jedoch ein bitzli Schmiergeld “Spezialgebühr” bezahlt um unsere Visa zu bekommen.  Zwischen den beiden Grenzposten stehen einige Casinos, in welchem ununterbrochen gequalmt und gezockt wird. Da in Thailand anscheinend Glücksspiele verboten sind, kommen viele Thais hierher und müssen nicht einmal in Kambodscha einstempeln um ihr Geld zu verlieren, optimal!

Im Casino-No-mans-land
Im Casino-no-mans-land

Der Bus tuckerlte nach 3 Stunden Grenzpause weiter nach Siem Reap. Diese Stadt ist das touristische Einfallstor zu Kambodscha, da sich in der Umgebung viele viele Tempelruinen (Angkor) befinden- unter anderem die berühmteste: Angkor Wat.

Während circa 600 Jahren zwischen dem 9. Jahrhundert und dem 15. Jahrhundert bildete Angkor ein Zentrum der Macht in der Region. Jeder Monarch baute seinen eingenen Tempel, der natürlich prächtiger zu sein hatte, als derjenige des Vorgängers. In der Hochblüte (11. Jh.) von Angkor zählte die Stadt Angkor Thom – so schätzt man – bis zu 1 Million Einwohner, also zehn Mal soviel wie Winterthur heute. Da sie damals ihre Wohnhäuser leider aus Holz bauten, sind lediglich die steinernen Tempelanlagen übrig geblieben. Interessanterweise sind die meisten Tempel hinduistisch – Angkor Wat beispielsweise ist Vishnu gewidmet.

Ob hinduistisch oder buddhistisch (manchmal auch beides) entschied der jeweilige König, sodass der Nachfolger zum Beispiel alle Buddha Bilder aus den Reliefs seines buddhistischne Vorgängers kratzen liess:

aus dem Relief gekratzer Buddha
Buddha: weg

Ein Besuch von Angkor lohnt sich in jedem Fall. Am ersten Tag fühlten wir uns nicht sehr fit und haben daher ein Tuktuk gemietet. In den darauffolgenden Tagen waren wir jedoch mit dem Velo unterwegs, was viel bequemer war, da wir so selbst entscheiden konnten, wo wir wann hinradeln.

Dank dem Tuktuk haben wir eine Übersicht über die sehenswertesten Ruinen bekommen und konnten in den folgenden Tagen die interessanteren Tempel mit dem Velo besuchen.

Ein interessanter Tempel ist Bayon inmitten der Stadt Angkor Thom. Bayon ist berühmt wegen der lächelnden Gesichter auf den “lotusknospenförmigen” Türmen und wegen der Reliefs, die unter anderem das Alltagsleben zur Angkor – Zeit zeigen.

Auch beeindruckend war der Baphuon. Dieser Tempel erlangte Berühmtheit durch seine nicht sehr stabile Bauweise. So wurde im 15. Jahrhundert auf der einen Seite des Tempels aus zusammengefallenen Teilen ein stümperhaftes Buddah-Relief zusamengebaut. Der Tempel ist auch bekannt als riesengrosses 3D Puzzle, an dessen Wiederzusammensetzung mehr als 50 Jahre gearbeitet wurde.

Wer Tomb Raider gespielt hat (spielt?) ist höchstwahrscheinlich etwas ähnlichem begegnet wie dem Ta Prohm, dessen Hauptattraktion die verschlungenen Dschungelpflanzen sind. Die französischen Archäologen , die mit den Arbeiten in Angkor begannen, beschlossen einen Tempel so zu belassen, wie sie ihn gefunden hatten. Wer sich an Angelina Jolie nicht stört, kann den Tempel hier noch in Bewegtbildern betrachten.

Schliesslich TADAAA Angkor Wat. Zum Glück sind wir nicht sehr begabte Frühaufsteher, sonst wären wir mit der ganzen Touristenmeute zum Sonnenaufgang bei Angkor Wat gewesen. Da wir eh schon zu spät dran waren, haben wir uns die Zeit gelassen und erreichten mit unseren Klappervelos Angkor Wat um die Mittagszeit. Wir nehmen an, dass sämtliche chinesischen Reisegruppen gerade beim Mittagessen waren,  da wir fast allein in der ganzen Tempelanlage rumlaufen konnten. Sehr beeindruckend sind die Basreliefs. Selten sieht man so filigrane Steinmetzarbeiten. Viele Skulpturen zeigen Apsaras -himmlische Tänzerinnen, die der Legende nach die Tanzkunst zu den Khmer brachten.

Nebst den Tempelruinen konnten wir die Arbeit von Archäologen betrachten. So sind die Renovierungsarbeiten bei vielen Tempelruinen immer noch im vollen Gang. Da Angkor zum Unesco Weltkulturerbe zählt, beteiligt sich die ganze archäologische Welt an den Kosten.

Irgendwann hatten wir genug vom Steine anschauen- so beeindruckend diese auch waren und so beschlossen wir uns nach Phnom Penh einzuschiffen, da in Siem Reap nicht viel mehr zu tun ist.

Der Plan

In eigener Sache (so wie eigentlich alles hier): Wenn man rechts oben auf “DER PLAN” klickt, kann man unsere neueste technische Errungenschaft sehen: Die elektrische Karte.

In blau die (detailreiche) Routenplanung, in rot die tatsächliche Route, und in gelb einige der grösseren Abstecher die wir unterwegs unternommen haben.

Irgendwann kommen dann noch ganz viele zusätzliche Features und Infos, aber Nathalie klaut mir immer den Laptop für ihre eigenen Projekte (3 Oscar-Liveticker parallel verfolgen, etc.). Und für Tourismus müssen wir manchmal auch noch etwas Zeit aufwenden.

Vielleicht sollten wir auch mal ein wenig mehr Zeit aufs vorwärtskommen verwenden: Nach eineinhalb Monaten haben wir ca. einen Viertel unserer Reisezeit hinter uns, aber erst etwa einen Zehntel der Strecke geschafft 🙂

Grüsse aus Phnom Penh!

Der Plan und die Realität, Stand 3.3.2014
Der Plan und die Realität, Stand 3.3.2014