Alamut- wandern in den iranischen Bergen

Bisher hatten wir im Iran alles mögliche gesehen – eines jedoch noch nicht: die Berge.
Zudem wollte Samuel seit dem Beginn dieser Reise ein Stückchen des Nachhausewegs zu Fuss machen und Nathalie wollte unbedingt einen Esel mieten. In den nächsten drei Tagen sollten alle Wünsche in Erfüllung gehen (streng genommen war es kein Esel sonder ein Maultier).

Noch in Teheran beschlossen wir, am selben Tag bis nach Gazor Chan zu kommen. Gazor Chan ist das Dörfchen gleich unterhalb der Festung Alamut. Diese Festung diente seit 1090 Hasan-i-Sabbah, dem Gründer der Assassinen, als Hauptsitz. Von dort aus wurden die politischen Attenttate der Assassinen (bei uns bekannt durch das Videospiel Assassin’s Creed) geplant und ausgeführt. Die Bezeichnung Assassinen verdienten sie sich wahrscheinlich durch den regelmässigen Konsum von Haschisch. Marco Polo beschreibt in seinen Reiseberichten, dass die Anhänger Hasan-i Sabbah’s in einen paradiesischen Garten gebracht wurden, in welchem sich verführerische Jungfrauen tummelten und Gras geraucht wurde. Anschliessend sollen die Jungs losgeschickt worden sein irgendwelche mächtige Politiker zu erdolchen und sich anschliessend zu ergeben, denn – so wurde ihnen gesagt – nur auf diese Weise könnten sie in den paradiesischen Garten zurückkehren. Wie viel Wahrheit an dieser Geschichte dran ist, weiss man nicht. Auf der Burg von Hassan-i Sabbah haben wir jedoch keinen paradiesischen Garten gesehen.

Nach Gazor Chan zu gelangen, erwies sich als nicht ganz so einfach wie ursprünglich gedacht. Zunächst nahmen wir den Zug von Teheran nach Qazvin. Dort versuchten wir an den Taxistand zu kommen, wo die Sammeltaxis nach Mo’allem Kelayeh fahren. Dort angekommen wollten uns ein paar nette junge Iraner für wenig Geld mitnehmen (um mit uns zu pläuderlen) und provozierten dadurch fast eine Schlägerei mit den Taxifahrern. Also nahmen wir friedliebenden Leute gezwungenermassen das Sammeltaxi. In Mo’allem Kelayeh (wo sich übrigens eine geheime Urananreicherungsanlage befinden soll – Samuel hält das für so realistisch, wie wenn in Mettlen eine geheime U-Boot Basis vermutet würde) beschlossen wir daher auf dem letzten Abschnitt bis nach Gazor Chan auf Taxifahrer ganz zu verzichten. Stattdessen verliessen wir uns auf die Freundlichkeit der Iraner, und versuchten unser Glück per Autostopp. Dieses Vorhaben war innerhalb von wenigen Minuten erfolgreich und so tuckerlten wir auf der Ladefläche eines Gemüsetransporters unserem Ziel entgegen.

Am nächsten Tag machten wir uns nach der Besichtigung der Assassinenburg nach Garmarud auf, wo wir mit Matthias und Manuel abgemacht hatten. Die beiden Zürcher hatten wir in Shiraz getroffen, wo sie unsere Sympathien mit zwei Packungen Blévita erkauften. Da wir dieselben Pläne hatten, beschlossen wir gemeinsam über das Elburs – Gebirge zu wandern. Zwei weitere erfreuliche Autostopp Erfahrungen später trafen wir in Garmarud auf die beiden und auf Ramazan, unseren Gastgeber und Maultier-Organisator.

Früh am nächsten Morgen packten wir unsere Rucksäcke auf das Maultier und marschierten los bergauf. Vorbei an Pichebon, wo wir eine kurze Pause einlegten weiter zur Passhöhe des Salambar Passes wo sich eine alte Karawanserei befindet. Auf der anderen Seite ging es den Pass wieder herunter bis nach Saldschanbar, wo wir leider nicht übernachten konnten, sodass wir noch ein Dorf weiter zotteln mussten bis nach Kulumlat.

In Kulumlat wurden wir freundlich willkommen geheissen. Das kleine Dorf besteht aus schätzungsweise zehn Lehmhütten und drei Familien. Die drei kleinen Dorfmädchen unterhielten uns den ganzen Abend (Schere-Stein-Papier existiert auch im entlegensten Dorf des Iran). Das Dörfchen liegt in einem Steilhang und hat weder Stromanschluss noch Strasse. Wir genossen diesen Abend fernab der Zivilisation und schliefen in unserem Lehmhüttchenmassenlager tief und fest.

Am letzten Tag unseres Ausfluges in den Elburs Bergen standen wir früh Morgens  auf und verabschiedeten uns von unseren lieben Gastgebern (an deren Namen wir uns leider nicht erinnern können). So marschierten wir weiter der Schlucht entlang bis nach Maran, wo wir wieder auf die Strasse und ein bisschen Zivilisation (=Strom) stiessen. Von Maran ging es der Strasse entlang steil bergab bis nach Yuj. Dort verabschiedeten wir uns von Ali, dem Maultier und dem Esel (beide namenlos wie’s scheint) und genossen die spontane Gastfreundschaft von Esme für einige Stunden bevor wir ein Sammeltaxi nach Ramsar nahmen.

 

Schlaflos in Teheran

Unsere erste Nachtzugfahrt seit China führte uns bequem von Shiraz nach Teheran. Leider hatten wir bei der Abfahrt schon zweieinhalb Stunden Verspätung, deshalb mussten wir uns die angeblich schöne Landschaft im Dunkel vor den Fenstern selbst vorstellen.

Im Zug lernten wir den jungen Teheraner Damoon und seine Frau kennen, die uns gleich in ihr Abteil einluden und uns fast nicht mehr gehen lassen wollten. Damoon verdient seine Brötchen damit, Kleider auf sehr kreativen Wegen von der Türkei in den Iran zu “importieren”. Wir verabredeten uns mit den beiden am nächsten Tag in Teheran, und bekamen mal wieder die volle Ladung iranischer Gastfreundschaft zu spüren. Die halbe Nacht lang kurvten wir zusammen durch die Stadt, und kriegten nie die Gelegenheit, selbst für irgendwas zu bezahlen. Es war eine gute Gelegenheit, zu erfahren wie die junge Generation tickt, und das Leben im Iran meistert. Es gibt eine recht klare Meinung was die vielen Einschränkungen im täglichen Leben wie Kleidervorschriften, etc. betrifft. Sie werden so gut es geht umgangen und ignoriert. Die obligatorischen Kopftücher hängen bei den jungen Frauen demonstrativ so weit hinten wie irgend möglich, und rutschen gerne mal “aus Versehen” ganz runter.

Schlaflos in Teheran
Schlaflos in Teheran

Auch zu ein wenig Tourismus liessen wir uns in Teheran hinreissen, und besuchten den Golestanpalast, den früheren Sitz des Shahs, sowie die frühere US-Botschaft, welche von aussen mit ziemlich expliziten Graffitis verziert ist.

Trotz 15 Millionen Einwohnern bietet Teheran für Touristen relativ wenig, besonders während dem Ramadan und der sommerlichen Bruthitze. Schon nach zwei Tagen “flüchteten” wir deshalb in Richtung der Berge zwischen Teheran und dem kaspischen Meer, um in den gemässigteren Temperaturen zu Wandern und das gemütlichere Landleben zu geniessen.

 

Schiraz ohne Wein

Schiraz wird in unserem Umfeld eher mit Wein assoziiert als mit iranischen Dichtern – nur leider verbietet der Staat hier den Konsum von Alkohol, weil nicht gottgefällig. Nun denn, statt Wein zu trinken gingen wir die Ruinen von Persepolis besichtigen.

Persepolis war eine Hauptstadt des Achämenidenreiches um 500 v. Chr. Dies war das erste (bekannte) persische Reich und erstreckte sich von Griechenland bis nach Indien. Bekannt dürften die Archmäniden bei uns sein wegen des testosterontriefenden (hier nicht sehr beliebten) Streifens “300”.
So richtig gross wurden die Achämeniden unter dem König Kyros der Grosse. In der iranischen Auffassung wird Kyros der Grosse als der Begründer der Menschenrechte und als Verfechter der religiösen Toleranz gesehen. So wurden wir darauf hingewiesen, dass wir im Iran das Land von Kyros dem Grossen sehen sollen und nicht das Land der Mullahs.

In der Nähe von Persepolis befinden sich Naqsch-e Rostam eine Felswand wo vier Gräber von Achämeniden Herrschern in den Fels gehauen wurden. Es soll sich dabei um die Gräber von Dareios II, Aragxerxes I, Dareios I und Xerxes I handeln. Neben der Felswand steht ein Gebäude, das aus derselben Epoche stammen soll und dessen Sinn unklar ist. Es wird vermutet, dass es sich um einen Feuertempel handelte.

DSC02984_1600
Die Gräber von Naqsch-e Rostam
DSC02995_1600
Der Ka’be-ye Zartuscht Turm wie neu aber trotzdem 2500 Jahre alt

Nachdem wir einen ersten Eindruck der Achämeniden hatten ging, es weiter in der brütenden Julihitze nach Persepolis. Persepolis war eine prachtvolle Stadt, die wahrscheinlich dazu diente, die Vertreter der Untertanenvölker zu beeindrucken, die den König besuchten um ihm Untertanengeschenke zu bringen.

Uns beeindruckte die Methode, mit welcher die Steine für die Stadt geschnitzt wurden. Zunächst bohrten die Handwerker Löcher in den Felsen und legten trockene Hölzer in die Bohrungen. Anschliessend wurde Wasser in die Löcher gefüllt, sodass sich die Holzstäbe vollsogen und ausdehnten, bis der Stein auseinander brach. Wir wollten es gerne ausprobieren, aber es fanden sich vor Ort keine passenden Hilfsmittel. Und wir wollen ja den Iran nicht kaputt machen.
Nebst den Steinbrocken finden sich in Persepolis auch viele Reliefs und Statuen. Diese stellen einerseits die Königsgarde dar und andererseits die Vertreter der Untertanen, beim Untertanenbesuch zum Bringen der Untertanengeschenke.
Auch wurden in Persepolis viele Steinplättchen mit Keilschrift gefunden, welche das Alltagsleben beschreiben, und man glaubt es fast nicht- aber der ganze Palastkomplex wurde ohne Sklaven gebaut, sondern von freien Handwerkern, welche eine angemessene Entlöhnung bekamen. Und die Frauen bekamen sogar einen vollbezahlten Mutterschaftsurlaub mit der Garantie wieder ihre Stelle zu bekommen, sobald sie ihr Kind nicht mehr versorgen mussten.

Auch in Schiraz liess es sich herumtollen und laufen und so weiter und es gibt Moscheen, Madrasen, Bazare und eine Burg.

Als wir in Schiraz waren, fing der Fastenmonat Ramadan an. Das heisst, dass in der Öffentlichkeit nicht mehr getrunken oder gegessen werden darf, solange die Sonne noch nicht untergegangen ist. In Schiraz konnten wir davon allerdings nicht viel spüren – wir sahen viele Leute tagsüber essen und trinken. Und so machten auch wir es.  Dies änderte sich jedoch schlagartig in Teheran, wo es ein bisschen anstrengend wurde, während der Sonnenstunden etwas zu beissen zu finden.

 

Isfahan

Isfahan ist eine jener Städte, nach denen beispielsweise Parfüme benannt werden (Auch wenn die Stadt selbst vor allem nach Abgas riecht). Im touristischen Zentrum Irans waren wir als kaufkräftige Europäer besonders begehrt, und so dauerte es nicht lange bis wir eine von Hand gestempelte Tischdecke erstanden. Wir haben keinen Esstisch, geschweige denn eine Wohnung, aber die Tischdecke ist also wirklich schön.

Nachdem der Souvenirkauf erledigt war, bummelten wir durch den Basar, da seine Gässchen unter Steinkuppeln liegen und deswegen angenehme Temperaturen herrschen. Der Basar (Basar-e-Bosorg) ist zum Teil über 1000 Jahre alt und verbindet den alten und den neuen Teil der Stadt. Die Verkaufsstände sind nach Produktart sortiert: will man beispielsweise einen Granatapfel kaufen, geht man zum Granatapfelteil des Bazars und kann dort Preise und Qualität vergleichen, bis man seinen Wunschgranatapfel gefunden hat. Sehr praktisch. Fazit: Basare sind Einkaufszentren mit weniger Werbung,  weniger Achterbahnen und weniger Stockwerken. Und weil es auf Basaren fast alles zu kaufen gibt, fand sich auch schnell jemand der Nathalies auseinanderfallende Brille reparieren konnte.

Kurz vor dem Überfall durch die Mongolen 1388 (scheint seit einiger Zeit auf unserer Reise ein roter Faden zu sein) war Isfahan blühendes Zentrum der Gegend. Die Stadt erholte sich erst 300 Jahre später und wurde vom safaviden König Shah Abbas I zu dem gemacht, weswegen heute Millionen Touristen die Anstrengungen eines Iran-Visums-Antrages auf sich nehmen (die UNESCO hat einige Bauten zum Weltkulturerbe erklärt).

So machten wir uns auf, die Freitagsmoschee (Masjed-e Jāmé) zu besichtigen. Diese Moschee ist berühmt, weil man in ihr die Entwicklung islamischer Architektur seit 1200 Jahren sehen könne. Nebst den Iwans um den zentralen Platz der Moschee gibt es auch eine nette kleine Halle, wo es sich gut ein Schläfchen machen lässt.

Als wir in Isfahan waren, war die Scheizer Fussball Nationalmannschaft an der WM noch nicht ausgeschieden, sondern gewann gegen Honduras. Der Plan war ursprünglich ein nettes Beizchen mit alkoholfreiem Malzgetränk zu finden und sich dort das Spiel anzuschauen (schliesslich waren wir vier Schweizer auf einem Haufen). Da bot sich das armenische Quartier an.
So überquerten wir den “Fluss” über die Si-o-se Pol Brücke. Leider führt der Zayandeh Rud zur Zeit kein Wasser, was bei dem Namen – er bedeutet auf Deutsch lebensspendender Fluss, sehr tragisch klingt und auch ist. Der Grund für die Trockenheit ist, dass sich die beiden Provinzen Yazd und Isfahan sich nicht über die geteilte Nutzung des Flusses einigen können, was auch schon in gewalttätigen Ausschreitungen endete. Nichtsdestotrotz sind die Brücken sehr fotogen, zugegeben mit Wasser wären sie noch fotogener.

Weil wir für das Fussballspiel viel zu früh im armenischen Viertel (Dschulfa) waren,  besichtigten wir die armenische Vank – Kathedrale. Nach all den Moscheen und Madrasen in der letzten Zeit wirkte es erfrischend, dramatische Höllenszenenfresken anzuschauen.
Gleich neben der Kathedrale liegt das armenische Museum, dass uns ein paar Dinge über die Geschichte der Armenier erklärte (insbesondere im letzten Jahrhundert eine tieftraurige Angelegenheit).

Leider stellte es sich heraus, dass alle netten Cafés um zwölf geschlossen hatten (Strassencafés sind von der spassaversen Regierung sowieso nicht erlaubt), und so mussten wir zurück in unser Hostel, wo wir den Liveticker von Watson schauen mussten. Die iranische Zensur hat noch nicht gemerkt, dass dort auch nackte Menschen gezeigt werden (20min und Blick sind gesperrt, NZZ jedoch nicht!).

boing
Boing – angeschlagen an der iranischen Firewall…

In Isfahan, lässt es sich angenehm spazieren und in Parks rumhängen, ohne dass man die Wichtigkeit Isfahans im iranischen Atomprogramm bemerken würde. Hier noch ein paar Bilder von Isfahan, wie wir es erlebt haben:

Schliesslich war es schon an der Zeit von Dania und Martin Abschied zu nehmen. Die beiden vermissten ihre Velos, die sie in Maschhad zwischengelagert hatten zu sehr.

So trennen sich die Wege: die einen gen Osten im Schweisse ihres Angesichts, die andern gen Westen in die Heimat zurück
So trennen sich die Wege: die einen gen Osten im Schweisse ihres Angesichts, die andern gen Westen in die Heimat zurück

Es war eine schöne Woche und wir werden euch beide vermissen. Weiterhin gutes Strampeln und  angenehmere Temperaturen wünschen wir euch.

 

Viel zu heiss in Yazd

Yazd liegt auf dem Gringo Trail vom Iran (nebst Shiraz, Isfahan und Teheran). Daher ist es einfach, dort eine angenehme Unterkunft zu finden. Wir waren vor allem froh eine saubere Nasszelle zu finden um den ganzen Wüstenstaub (der sich im Schweiss auf unserer Haut festgeklebt hatte) loszuwerden.

Yazd ist eine Oasenstadt die schon 3000 vor Christus existiert haben soll. Wie es sich für eine anständige Wüstenstadt gehört fallen im Schnitt 60 mm Regen pro Jahr (in Winterthur gab es in der letzten Woche 67 mm Regen – nur so als Vergleich). Auch die Temperaturen sind im allgemeinen ein bisschen höher als das was wir uns von der Schweiz gewöhnt sind. Die Bewohner von Yazd haben über die Jahrhunderte einige kreative Wege gefunden mit dem lebensfeindlichen Klima umzugehen. Die Siesta am Mittag ist zwar nicht besonders kreativ aber sehr effektiv. Das Leben findet (gerüchteweise) früh Morgens und (können wir bestätigen) am Abend bis in die Nacht statt. Da fiel es uns nicht allzu schwer uns diesem Rhythmus anzupassen.

Zur Wassergewinnung aus der trockenen Umgebunge wurden seit Jahrtausenden Tunnel gegraben, die das Wasser aus den umliegenden Bergen an die Stellen des Bedarfs kanalisierten. Diese Qanate sind in Iran weitverbreitet und werden zum Teil auch heute noch benutzt. Mit der Zeit entstand ein komplexes Tunnelsystem mit Wasserverteilern und Wasserspeichern (um die saisonalen Schwankungen zu puffern).

Die traditionelle technische Lösung zur Kühlung von Räumen in Yazd bilden die Windtürme (Bādgir). Bādgire (Bāgdirs?) sind Türme, welche dazu dienen das kleinste Lüftchen einzufangen und im Haus darunter zur Kühlung der Räume zu benutzen. Um den Effekt zu maximieren wurde die einströmende Luft oft über Wasserbecken oder Qanate geleitet. Wen’s interessiert kann auf Wikipedia die Details nachlesen.

Nun denn der interessanteste Ort diese beiden Lösungen zu bewundern, besteht aus einem alten Wasserspeicher in Yazd, dessen Wasser mit vier grossen Bagdirs gekühlt wurde.  Heute jedoch steht dieses Schild vor dem Eingang:

Heute nicht mehr nur Wasserspeicher
Heute nicht mehr nur Wasserspeicher

Anstatt das Wasser zu speichern wird Wasser geschwitzt – und zwar auf eine Art, wie sie uns noch nie untergekommen ist:

Nebst dem schon beschriebenen gibt es in Yazd das iranische Standardsortiment für den Tourismus, bestehend aus Museen, Moscheen, Bazar und einem Feuertempel. Wir besuchten das sehr interessante Wassermuseum und spazierten durch die Innenstadt.

Auf Grund des engen Zeitplans von Dania und Martin ging die Reise schon bald weiter, per Bus nach Isfahan.

 

Die Karawane zieht weiter: von Maschhad nach Yazd

Wie kommt man von Maschhad nach Yazd? Zunächst wollten wir den Zug nehmen – der war jedoch schon ausgebucht. Auf den nächsten Zug warten war keine Option, da Dania und Martin nicht allzu viel Zeit hatten bis das Transitvisum Turkmenistan anfing. Da bot Rafi an, ein Kollege von Vali und Reiseführer von Beruf, uns nach Yazd zu fahren. Dies kostete uns eine Stange Geld, dafür konnten wir von Rafis Erfahrungen und seinen Kenntnissen als Hobbyarchäologe profitieren unter anderem hat er schon für die BBC gearbeitet.

Fahrbereitschaft erstellen...
Fahrbereitschaft erstellen…

Einen ersten Halt machten wir beim Aliabad-Turm. Rafi zeigte uns die Reiseberichte von Agnes Gabriel-Kummer und deren Ehemann Alfons, die in den Dreissigern des letzten Jahrhunderts als erste Europäer (Österreicher) die Wüsten Persiens durchquerten. Dabei machten sie auch bei diesem Turm halt, und wunderten sich genau wie wir, was dessen Sinn und Zweck hätte gewesen sein können.

Als wir ein Stück weiter anhielten, um ein schönes altes Lehmhaus zu fotografieren, gerieten wir mitten in ein freitägliches Familientreffen und wurden kurzerhand zu Tee und Wasserpfeife eingeladen.

Gruppenbild mit der ganzen Sippe
Gruppenbild mit der ganzen Sippe. Danke für die Gastfreundschaft

Eine weitere Station unserer Expedition führte zum zerfallenen Herrschaftshaus eines kleinen Dorfes mitten in der Wüste. Der (greise) Enkelsohn des vormaligen Besitzers lud uns zu sich zu Tee und Früchten ein und erklärte uns alles was wir wissen wollten. Er beschwerte sich darüber, dass die jungen Leute von heute alle studieren wollen, und er niemanden mehr finde, der für ihn als Schafhirte arbeitet. Von ihm erfuhren wir auch, was Qanate sind. Ein Jahrtausende altes System aus Tunneln zur Umleitung und Verteilung von Wasser. Und nein diese Form der Wassergewinnung gibt es in der Schweiz nicht, erklärten wir ihm mit Müh und Not, weil es bei uns oft regnet. Über den Stellenwert des Wassers, und die vielen raffinierten Lösungen die seine Knappheit hervorgebracht hat, wurden wir später noch ausführlich im Wassermuseum von Yazd informiert.

Langsam wurde es dunkel und bisher war es uns nicht aufgefallen, dass der Tank fast leer war. Mit blinkendem Tanklämpli fuhr uns Rafi (unsere Ratschläge zum ökonomischen Fahren ignorierend) die verbleibenden 100km nach Tabas, wo wir übernachten wollten. Was wie der Beginn eines Krimis tönt endete mit dem letzten Tröpfchen Benzin an der Tankstelle.
Die Campingprofis Dania und Martin luden uns freundlicherweise in ihren Zeltpalast zur Übernachtung ein. Auch wussten sie aus Erfahrung, dass sich Moscheen und Schreine gut zum Zelten eignen, da sich dort öffentliche sanitäre Anlagen befinden.

Frisch und munter packten wir am nächsten Morgen unsere Siebensachen und machten uns auf Richtung Yazd. Der zweite Tag führte uns vorbei an schönen Wüstenlandschaften, verlassenen und zerfallenen Karawansereien und dem Schauplatz eines gescheiterten amerikanischen Versuchs, militärisch in die iranische Revolution einzugreifen.
Spätestens seit Argo wissen alle, dass Ben Affleck nach der Revolution amerikanische Geiseln aus dem Iran geschmuggelt hat (und dass die Iraner bewaffnete Barbaren sind). Was bei uns weniger bekannt ist, ist dass die Amis auch andere Versuche starteten die Geiseln zu befreien. Die Operation Eagle Claw zur Erstürmung der US-Botschaft in Teheran scheiterte kläglich. Die Iraner liessen sich nicht lumpen und nutzen den Misserfolg der Amis zu Propagandazwecken – damals wie heute. Auch wir besichtigten die Kartonhelikopter und Flugzeugwracks mitten in der Wüste.

Kurz vor Yazd erreichten wir schliesslich, mitten in der Nachmittagswüstenhitze, Kharanaq. Kharanaq ist ein altes Dörfchen, das zu einem grossen Teil aus verlassenen zerfallenden Lehmhäuschen besteht. Nach einer ausgiebigen Siesta in der renovierten Karawanserei, machten wir uns auf, die Ruinen zu entdecken. Nebst den idyllischen Häuschen gibt es in Kharanaq auch ein schwankendes Minarett, dieses soll man zum Schwingen bringen können. Leider fand sich an Ort und Stelle kein Schlüssel zum Minarett, sodass wir dies nicht überprüfen konnten.

Kurz vor Sonnenuntergang näherten wir uns endlich Yazd. Rafi unser unermüdlicher Reiseführer wollte uns noch unbedingt den Turm des Schweigens (Dachma) der Zoroastrier zeigen. Trotz der Bezeichnung “islamische Republik” existieren im Iran auch andere Glaubensrichtungen. Nebst den üblichen Verdächtigen (Christen) bildet die zoroastrische Glaubensrichtung eine interessante Lebensanschauung. Die Zoroastrier sind wohl die älteste bekannte monotheistische Religionsgemeinschaft der Welt.  Bevor die Gegend islamisiert wurde, war die Mehrheit der Bevölkerung zoroastrisch. Auch heute gibt es eine relativ grosse zoroastrische Glaubensgemeinschaft im Iran. Die Zoroastrier glauben, dass die Toten die Erde verunreinigen und Feuer ist ihnen heilig. Also haben sie eine Bestattungsart gefunden, die diesen Einschränkungen entspricht: die Luftbestattung. Dabei werden die Toten auf einem Dachma ausgelegt. Die Leichen zersetzten sich mit der Zeit und wurden von aasfressenden Vögeln gefressen. Der Dachma nahe Yazd wurde bis in die 1960er auf diese Weise benutzt. Die Abkehr von dieser Bestattungsart wurde beschlossen, nachdem angeblich mehrere Leichen von Forschern für medizinische Experimente geklaut wurden. Heute werden Zoroastrier in luftdichten Betonkammern beerdigt, um zu verhindern, dass die Erde verunreinigt wird.

In der letzten Bildstrecke noch einige der vielen Eindrücke des zweiten Reisetages, die bisher nirgends reingepasst haben:

Nach zwei langen Tagen vorbei an verschiedensten Bauten und der langen Kulturgeschichte Irans gelangten wir ans Ziel unserer Wüstenexpedition: Yazd.

 

Maschhad – Salam Iran

Für die Einreise in den Iran waren wir verhältnismässig gut vorbereitet: wir hatten passende Kleidung gekauft, hatten mit Dania und Martin schon einen Treffpunkt in Maschhad abgemacht und hatten unser letztes turkmenisches Geld am Vorabend in Bier investiert.

Bei der passenden Iran Kleidung geht es ja darum, möglichst wenig attraktiv auszusehen: Tscheck!
Bei der passenden Iran Kleidung geht es ja darum möglichst unattraktiv auszusehen: Tscheck!

Die Einreise klappte auch erstaunlich reibungslos (Iran gehört halt nicht mehr zum komplizierten Zentralasien): Mit einem Händedruck und einem freundlichen “Welcome to Iran!” vom Zöllner.

Zuverlässig brachte uns ein Bus nach Maschhad, wo wir in Vali’s Non-smoking Homestay gleich auf Dania und Martin trafen. Aus dem Treffen in Georgien ist ja nichts geworden, weil wir zu langsam und sie zu schnell unterwegs waren.
Vali ist ein Teppichhändler, der in seinem Keller ein paar Betten aufgestellt hat und jeden Reisenden dort willkommen heisst. Nebst der netten Atmosphäre bietet Vali (bzw. seine Frau) auch feinstes Essen an, das frisch zubereitet wird, so wurde Samuel am Nachmittag zum Fischli ausnehmen eingespannt.

Aufschneiden, Geschlabberzeugs rausgrübeln und dann Hände waschen
Aufschneiden, Geschlabberzeugs rausgrübeln und dann Hände waschen

Nach Maschhad pilgern die schiitischen Muslime, um dem Märtyrertum vom achten schiitischen Imam Reza zu gedenken. Imam Reza wurde 818 auf Befehl des Kalifen mit vergifteten Trauben und vergiftetem Granatapfelsaft getötet. Mit den vielen Spenden der Pilger wurde in Maschhad ein riesiger Schreinkomplex gebaut.

Es gehört also zum guten Ton in Maschhad den Schrein zu besuchen. Zu viert machten wir uns auf den Weg zum heiligsten Heiligtum. Beim Eingang mussten wir uns jedoch trennen – für Frauen gibt es einen separaten Eingang. So schafften es Dania und Nathalie ins Innerste des Heiligtums – Samuel und Martin wurden gleich als Ungläubige erkannt und durften dafür die Dienste eines Fremdenführers geniessen.

Zu Beginn gleich das Allerheiligste vom Iran; Imam Reza Schrein
Zu Beginn gleich das Allerheiligste vom Iran; Imam Reza Schrein

Wundert ihr euch warum Dania und Nathalie bis zum Schrein vordringen konnten, Samuel und Martin jedoch nicht? Das liegt daran, dass alle Frauen einen Tschador (Farsi für Zelt) tragen müssen, um hinein zu gelangen. In ein schwarzes Tuch gehüllt sehen alle Frauen extrem muslimisch aus. Vor dem Besuch des Schreins musste also das Tragen eines Tschadors geübt werden:

Dania und Martin hatten noch zehn Tage Zeit bis sie nach Turkmenistan losreisen mussten und so beschlossen wir gemeinsam zunächst nach Yazd und dann nach Isfahan zu reisen.

Aschgabat – Willkommen in Absurdistan

Aschgabat, die bizarre Hauptstadt eines bizarren Landes. Man sollte nicht versuchen, diesen Ort zu begreifen, weil das sowieso scheitern und zu nichts führen würde.

Deshalb werde ich hier auch nicht anfangen, etwas über seine Geschichte zu erzählen, sondern einfach eine Reihe von Eindrücken schildern und ein paar zusammenhangslose Fakten und Geschichten erzählen, die wir bei unserem Besuch aufgeschnappt haben.

DSC02125_1600
Hallo Aschgabat

Die Ära Turkmenbaschi

  • Der selbsternannte “Führer der Turkmenen” (Turkmenbaschi) Saparmyrat Nyýazow prägte das Land von 1992 bis zu seinem Tod 2006 mit seinem Personenkult und vielen interessanten Regeln und Gesetzen: So liess er zum Beispiel das Musikhören im Auto verbieten und änderte die Namen der Monate (der April trägt jetzt den Namen seiner Mutter).
  • Sein (angeblich selbst geschriebenes) Buch, “das Buch der Seele” (Ruhnama), ist eine seltsam verdrehte, religiös angehauchte Geschichte Turkmenistans und war bis zu Turkmenbaschis Tod Pflichtlektüre an allen Schulen und musste einen Viertel (!) der Unterrichtszeit in Anspruch nehmen.
  • Verschiedene westliche Firmen haben keine Skrupel, sich an der Gehirnwäsche des turkmenischen Volkes zu beteiligen, und finanzierten Übersetzungen des Buches um sich dafür Aufträge in Turkmenistan zu sichern. Darunter Siemens und DaimlerChrysler! Hier ein interessanter Trailer eines Dokumentarfilms zum Thema.
  • Als wir vor der überdimensionalen Ruhnama-Statue in Buch-Form standen, konnten wir auch nicht mehr widerstehen, und haben uns eines als Souvenir gekauft.

    Die Buch-Statue
    Die Buch-Statue
  • Überdimensionale Statuen waren voll Turkmenbaschis Ding. Sein Meisterwerk war wohl das peinlich riesige Neutralitätsdenkmal mit einer Goldstatue von sich selbst auf der Spitze, welche sich fortlaufend nach der Sonne dreht (Das Denkmal wurde vom neuen Präsidenten 2010 an den Stadtrand “verbannt” und die Statue dreht sich seither nicht mehr).

    Hat den grössten: Turkmenbaschi-Statue, leider nicht mehr mit Sonnennachführung
    Da würde sich Turkmenbaschi im Grab umdrehen: Seine Statue ist am Stadtrand und dreht sich nicht mal mehr mit der Sonne!
  • Der neue Präsident, Gurbanguly Berdimuhamedow, bastelt mittlerweile an seinem eigenen Personenkult. Er hat sich noch keinen Titel à la Turkmenbaschi verliehen, sondern begnügt sich bisher mit dem selbst geschaffenen “Orden des Mutterlandes”. Berdimuhamedow hat sich übrigens durch seine Dienste als Turkmenbaschis Zahnarzt für seine heutige Präsidentenrolle qualifiziert.
    Die CIA weiss über Berdimuhamedow folgendes: “Berdimuhamedov does not like people who are smarter than he is. Since he’s not a very bright guy, our source offered, he is suspicious of a lot of people.
  • Apropos Zahnarzt, hier eine etwas ältere Episode von Turkmenbaschi: Bei einem Interview mit einer Studentin gefielen ihm deren Goldzähne nicht. Sein Wort ist Gesetz, und so waren Goldzähne Tage später verboten. Turkmenbaschis Rat dazu: “Kaut mehr Knochen, damit eure Zähne nicht ausfallen”.

Ashgabat

  • Die Stadt zeigt sich als ungewöhnliche Oase in der Wüste, zu einem grossen Teil aus blütenweissem Marmor gebaut, mit Gold verziert, und von bewässerten Parks umgeben. Perfekte Strassen auf denen neue Autos fahren (ganz im Gegensatz zum Rest des Landes, wie wir schon gesehen haben), die Parks und viele der neuen Häuser scheinen jedoch menschenleer.
  • Die paranoide Seite der autokratischen Regierung zeigt sich, wenn man die unglaublich fotogenen Häuserreihen fotografieren will: Uniformierte (und nicht uniformierte) Polizisten und Soldaten sind jederzeit in Sichtweite (die nicht Uniformierten erkennt man an ihrem schlendernden Gang, ihrem starken Parfüm, und dem Funkgerät am Gürtel). Da das Fotografieren jeglicher Regierungsgebäude streng verboten ist, und die halbe Stadt aus Regierungsgebäuden besteht, haben wir nur wenige Fotos gewagt.
  • Am gefährlichsten ists in der Nähe von Turkmenbaschis goldbedomtem Präsidentenpalast. Man muss als Fussgänger auf die andere Strassenseite wechseln, weil auf dem breiten Trottoir vor dem Palast anscheinend nur die Sicherheitsleute erlaubt sind.
  • Der Name der Stadt bedeutet nicht “liebliche Stadt” (persisch ʿSchghābad), wie in den meisten Quellen genannt, sondern geht auf Arsakes I zurück, den Begründer des Partherreiches, und sollte demnach eigentlich Arschgabat heissen. Das würden wir viel cooler finden. Quelle: Rafi, unser Tourguide in Maschhad
  • Die vielen schwer nachvollziehbaren Regeln, die das Land seinen Bürgern auferlegt, scheinen auch im Verhalten der Bevölkerung ihre Spuren zu hinterlassen. So waren wir die einzigen die sich wunderten, eine Putzfrau zu sehen, die das Trottoir vor einer Universität feucht aufnahm. Oder dass in unserem Hotel morgens um 07:59 unser Wunsch nach Frühstück abgelehnt wurde, mit dem Hinweis, Frühstück gibt es erst ab acht.
  • Apropos Hotel: Unseres hatte den kuriosen Namen “Ministry of Internal Affairs”, und ist im Internet komplett unauffindbar. Viele Hotels in Ashgabat sind angeblich verwanzt, teuer, und (abgesehen von verschiedenen uniformierten Menschen darin und davor) weitgehend menschenleer.
    Trotzdem baut die Regierung weiterhin wie besessen neue Hotels, die dann leer rumstehen.
  • Wenn die Regierung wieder einen der (wenigen) noch verbliebenen Sowjet-Blocks abreisst, könnte man meinen, dass die Leute dafür in ein schönes neues Marmorgebäude umgesiedelt werden. Dem ist aber scheinbar nicht so, da die neuen Prunkbauten vor allem für leerstehenden Büros, Ministerien, oder eben Hotels ‘benötigt’ werden. Viele Familien leben deshalb in provisorischen Baracken ausserhalb der Stadt.
  • Allgemein scheint ein hoher Lebensstandard zu herrschen. Die Bürger bekommen ihren Anteil am “gottgegebenen” Erdgasreichtum des Landes, durch symbolische Preise für Energie (1 Liter Benzin kostet weniger als 20 Rappen), Wohnungen und Lebensmittel (Salz ist gratis).
  • Leider scheint es keinerlei Bestrebungen zu geben, irgend etwas Nachhaltiges mit diesem Reichtum anzufangen: Sehr viele Produkte werden importiert, der französische Baukonzern Bouygues baut die neuesten Fantasieprojekte des Diktators (und ist darauf mächtig stolz), Infrastruktur ausserhalb von Ashgabat ist kein Thema, und in die Bildung wird auch nicht investiert.
  • Stattdessen werden regelmässig Stadtteile wieder abgerissen (auch solche die schon aus Marmor sind) und Prestigeprojekte wie die 2017 Asian Games, das Turkmenbaschi Disneyland (so gut wie nie geöffnet), die grösste Fahnenstange der Welt, der grösste Brunnen der Welt oder das grösste Indoor-Riesenrad der Welt (wie beknackt ist das denn?) finanziert.

Turkmenistan rangiert auf der Rangliste der Pressefreiheit an drittletzter Stelle, nur  noch geschlagen von Eritrea und Nordkorea. Nach der Veröffentlichung dieses Blogartikels können wir nur auf die Unfähigkeit seines Auslandgeheimdienstes hoffen, wenn wir jemals wieder ein Visum wollen 🙂

In diesem Zusammenhang hier ein kurzer Einblick ins wirre turkmenische Fernsehen, ohne weiteren Kommentar (News Independent Neutral Turkmenistan in the Prosperous Era of the Powerful State):

An unserem letzten Abend in Aschgabat genossen wir die letzten gemütlichen Bierchen in der Gartenbeiz, und stellten uns auf die Trockenzeit in der islamischen Republik ein.

 

Auf gehts nach Turkmenistan

Turkmenistan ist das verschlossenste Land Zentralasiens. Für Reisende wie uns gibt es zwei Möglichkeiten nach Turkmenistan zu kommen: man beantragt ein Transitvisum (und bekommt wenn man Glück hat fünf unbeaufsichtigte minderbeaufsichtigte Tage in Turkmenistan) oder man bucht eine Tour durch das Land, kriegt das Visum an der Grenze und muss sich selbst um nichts mehr kümmern. Wir waren zu faul ein Transitvisum für Turkmenistan zu beantragen und hatten keine Lust für zwei Wochen in Usbekistan (bzw. Taschkent) festzusitzen. Daher buchten wir eine Tour für Turkmenistan und hatten so die Möglichkeit einmal unser Hirn abzuschalten.

Uns wurde mitgeteilt, dass unser Fahrer um neun Uhr morgens an der Grenze auf uns warten würde. So machten wir uns in der Früh auf den Weg zur usbekisch-turkmenischen Grenze. Um acht Uhr standen wir frisch und munter vor dem geschlossenen Grenzposten und warteten eine Stunde auf die usbekischen Grenzbeamten, weil alle Grenzen um neun Uhr aufmachen, dänks! Durch die Warterei schon ein bisschen angeschwitzt, durften wir unser Gepäck ein letztes Mal von den Usbeken durchwühlen lassen. Als der Scheffbeamte mit dem Betrachten unserer Fotos von seiner Heimatstadt (Buchara) zufrieden gestellt war, durften wir zur turkmenischen Grenze passieren. Dort erwartete uns eine Menge Papierkram, erneutes Durchwühlen von strategisch gepackten Rucksäcken (es nützt imfall nichts seine Unterwäsche zuoberst zu verteilen) unter den wachsamen-väterlichen Blicken von Turkmenbaschi und seines Nachfolgers Berdimuhamedow und schliesslich die präzisesten Stempel in unseren Pässen.

Gleich nach der Grenze wartete Ischan, unser Fahrer, auf uns. Nachdem er uns mit weiterem Papierkram ausgerüstet hatte, fuhr er uns nach Köneürgenç, der ehemaligen Hauptstadt des choresmischen Reiches (diejenigen die Dschingis Khans Karawane umgebracht haben). Die Stadt wurde von Dschingis Khan geflutet, wieder aufgebaut und dann von Timur erneut platt gemacht. Erstaunlicherweise hat dennoch das eine oder andere Gebäude überlebt.

Nachdem wir alles ausgiebig tourismisiert hatten, fuhren wir los quer durch die Karakum Wüste.

Auch auf der Strasse: Dromedar
Auch auf der Strasse: Dromedar

Die turkmenischen Strassen ausserhalb Ashgabats sind wohl die schlechtesten Strassen, die wir auf dieser Reise gesehen haben. Schlagloch auf Schlagloch düsten wir im 4×4 an überfahrenen Dromedar Kadavern und Kamelherden vorbei nach Derweze.

Derweze bedeutet Tor in Turkmenisch und war ein Dorf mitten in der Karakum Wüste. Es bildete das Tor zum Süden Richtung Aschgabat. 2004 kam Turkmenbaschi mit seiner Entourage hier vorbei, und ihm gefiel der Anblick des Dorfes nicht. Daraufhin wurde alles flachgebulldozert.

Zweigt man bei Derweze ab in die Wüste, fährt man direkt zum brennenden Gaskrater von Derweze. 1971 vermuteten die Sowjets dort immense Gasvorkommen (womit sie auch recht hatten) und fingen an zu bohren. Sie stiessen auf eine gasgefüllte Höhle, welche in der Folge kollabierte. Um zu verhindern, dass das Gas die Umgebung komplett vergiftet, zündeten sie das ausströmende Gas an. Seither brennt der Gaskrater und zieht regelmässig Touristen wie uns an.
I
n der Nähe des Kraters baute Ischan unser Zelt auf und bereitete feinstes Schaschlik für uns zu, während wir zu Fuss die Gegend erkundeten. Es ist schon ziemlich bequem auf einer organisierten Tour unterwegs zu sein. Diese Übernachtung mitten in der Wüste neben dem unglaublichen Gaskrater war für uns beide ein Höhepunkt dieser Reise, wir konnten nicht aufhören zu staunen.

Etwas weiter südlich befinden sich noch zwei andere Gaskrater, welche wir am nächsten Morgen besichtigten. Wie diese Zustande kamen, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Das Blubbern der im Schlamm aufsteigenden Gasblasen erinnerte uns sehr an Mario auf dem Nintendo 64.

der Schlamm Blubber Krater
der Schlamm Blubber Krater
der "ich-würde-jetzt-gerne-darin-schwimmen-wenn-es-nur-nicht-so-stinken-würde" Krater
der “ich-würde-jetzt-gerne-darin-schwimmen-wenn-es-nur-nicht-so-stinken-würde” Krater

Schliesslich wurden wir zum Oasendörfchen Erbent gefahren, wo wir herum spazierten und von einem Bauer erfuhren, dass die Schweizer Fussball Nationalmannschaft am Vortag gewonnen hatte (gegen wen erfuhren wir drei Tage später im Iran, und ja wir haben keine Ahnung von Fussball und WM).

Gegen Mittag erreichten wir schliesslich die unglaublich absurde Hauptstadt Turkmenistans: Aschgabat.