Auf gehts nach Turkmenistan

Turkmenistan ist das verschlossenste Land Zentralasiens. Für Reisende wie uns gibt es zwei Möglichkeiten nach Turkmenistan zu kommen: man beantragt ein Transitvisum (und bekommt wenn man Glück hat fünf unbeaufsichtigte minderbeaufsichtigte Tage in Turkmenistan) oder man bucht eine Tour durch das Land, kriegt das Visum an der Grenze und muss sich selbst um nichts mehr kümmern. Wir waren zu faul ein Transitvisum für Turkmenistan zu beantragen und hatten keine Lust für zwei Wochen in Usbekistan (bzw. Taschkent) festzusitzen. Daher buchten wir eine Tour für Turkmenistan und hatten so die Möglichkeit einmal unser Hirn abzuschalten.

Uns wurde mitgeteilt, dass unser Fahrer um neun Uhr morgens an der Grenze auf uns warten würde. So machten wir uns in der Früh auf den Weg zur usbekisch-turkmenischen Grenze. Um acht Uhr standen wir frisch und munter vor dem geschlossenen Grenzposten und warteten eine Stunde auf die usbekischen Grenzbeamten, weil alle Grenzen um neun Uhr aufmachen, dänks! Durch die Warterei schon ein bisschen angeschwitzt, durften wir unser Gepäck ein letztes Mal von den Usbeken durchwühlen lassen. Als der Scheffbeamte mit dem Betrachten unserer Fotos von seiner Heimatstadt (Buchara) zufrieden gestellt war, durften wir zur turkmenischen Grenze passieren. Dort erwartete uns eine Menge Papierkram, erneutes Durchwühlen von strategisch gepackten Rucksäcken (es nützt imfall nichts seine Unterwäsche zuoberst zu verteilen) unter den wachsamen-väterlichen Blicken von Turkmenbaschi und seines Nachfolgers Berdimuhamedow und schliesslich die präzisesten Stempel in unseren Pässen.

Gleich nach der Grenze wartete Ischan, unser Fahrer, auf uns. Nachdem er uns mit weiterem Papierkram ausgerüstet hatte, fuhr er uns nach Köneürgenç, der ehemaligen Hauptstadt des choresmischen Reiches (diejenigen die Dschingis Khans Karawane umgebracht haben). Die Stadt wurde von Dschingis Khan geflutet, wieder aufgebaut und dann von Timur erneut platt gemacht. Erstaunlicherweise hat dennoch das eine oder andere Gebäude überlebt.

Nachdem wir alles ausgiebig tourismisiert hatten, fuhren wir los quer durch die Karakum Wüste.

Auch auf der Strasse: Dromedar
Auch auf der Strasse: Dromedar

Die turkmenischen Strassen ausserhalb Ashgabats sind wohl die schlechtesten Strassen, die wir auf dieser Reise gesehen haben. Schlagloch auf Schlagloch düsten wir im 4×4 an überfahrenen Dromedar Kadavern und Kamelherden vorbei nach Derweze.

Derweze bedeutet Tor in Turkmenisch und war ein Dorf mitten in der Karakum Wüste. Es bildete das Tor zum Süden Richtung Aschgabat. 2004 kam Turkmenbaschi mit seiner Entourage hier vorbei, und ihm gefiel der Anblick des Dorfes nicht. Daraufhin wurde alles flachgebulldozert.

Zweigt man bei Derweze ab in die Wüste, fährt man direkt zum brennenden Gaskrater von Derweze. 1971 vermuteten die Sowjets dort immense Gasvorkommen (womit sie auch recht hatten) und fingen an zu bohren. Sie stiessen auf eine gasgefüllte Höhle, welche in der Folge kollabierte. Um zu verhindern, dass das Gas die Umgebung komplett vergiftet, zündeten sie das ausströmende Gas an. Seither brennt der Gaskrater und zieht regelmässig Touristen wie uns an.
I
n der Nähe des Kraters baute Ischan unser Zelt auf und bereitete feinstes Schaschlik für uns zu, während wir zu Fuss die Gegend erkundeten. Es ist schon ziemlich bequem auf einer organisierten Tour unterwegs zu sein. Diese Übernachtung mitten in der Wüste neben dem unglaublichen Gaskrater war für uns beide ein Höhepunkt dieser Reise, wir konnten nicht aufhören zu staunen.

Etwas weiter südlich befinden sich noch zwei andere Gaskrater, welche wir am nächsten Morgen besichtigten. Wie diese Zustande kamen, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Das Blubbern der im Schlamm aufsteigenden Gasblasen erinnerte uns sehr an Mario auf dem Nintendo 64.

der Schlamm Blubber Krater
der Schlamm Blubber Krater
der "ich-würde-jetzt-gerne-darin-schwimmen-wenn-es-nur-nicht-so-stinken-würde" Krater
der “ich-würde-jetzt-gerne-darin-schwimmen-wenn-es-nur-nicht-so-stinken-würde” Krater

Schliesslich wurden wir zum Oasendörfchen Erbent gefahren, wo wir herum spazierten und von einem Bauer erfuhren, dass die Schweizer Fussball Nationalmannschaft am Vortag gewonnen hatte (gegen wen erfuhren wir drei Tage später im Iran, und ja wir haben keine Ahnung von Fussball und WM).

Gegen Mittag erreichten wir schliesslich die unglaublich absurde Hauptstadt Turkmenistans: Aschgabat.

 

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