Schlaflos in Teheran

Unsere erste Nachtzugfahrt seit China führte uns bequem von Shiraz nach Teheran. Leider hatten wir bei der Abfahrt schon zweieinhalb Stunden Verspätung, deshalb mussten wir uns die angeblich schöne Landschaft im Dunkel vor den Fenstern selbst vorstellen.

Im Zug lernten wir den jungen Teheraner Damoon und seine Frau kennen, die uns gleich in ihr Abteil einluden und uns fast nicht mehr gehen lassen wollten. Damoon verdient seine Brötchen damit, Kleider auf sehr kreativen Wegen von der Türkei in den Iran zu “importieren”. Wir verabredeten uns mit den beiden am nächsten Tag in Teheran, und bekamen mal wieder die volle Ladung iranischer Gastfreundschaft zu spüren. Die halbe Nacht lang kurvten wir zusammen durch die Stadt, und kriegten nie die Gelegenheit, selbst für irgendwas zu bezahlen. Es war eine gute Gelegenheit, zu erfahren wie die junge Generation tickt, und das Leben im Iran meistert. Es gibt eine recht klare Meinung was die vielen Einschränkungen im täglichen Leben wie Kleidervorschriften, etc. betrifft. Sie werden so gut es geht umgangen und ignoriert. Die obligatorischen Kopftücher hängen bei den jungen Frauen demonstrativ so weit hinten wie irgend möglich, und rutschen gerne mal “aus Versehen” ganz runter.

Schlaflos in Teheran
Schlaflos in Teheran

Auch zu ein wenig Tourismus liessen wir uns in Teheran hinreissen, und besuchten den Golestanpalast, den früheren Sitz des Shahs, sowie die frühere US-Botschaft, welche von aussen mit ziemlich expliziten Graffitis verziert ist.

Trotz 15 Millionen Einwohnern bietet Teheran für Touristen relativ wenig, besonders während dem Ramadan und der sommerlichen Bruthitze. Schon nach zwei Tagen “flüchteten” wir deshalb in Richtung der Berge zwischen Teheran und dem kaspischen Meer, um in den gemässigteren Temperaturen zu Wandern und das gemütlichere Landleben zu geniessen.

 

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