Ramzar, Tabris – Chodafes Iran

Vom Bergdörfchen Yuj, wo unser treue Gefährte Ali, sein Esel und sein Gotr uns verlassen haben, gings ab auf die wohl lustigste und beängstigendste Taxifahrt unserer Reise. Im alten Rumpeltaxi (siehe Titelbild) rasten wir in Rekordgeschwindigkeit den Berg runter, als gäbe es einen Preis zu gewinnen. Die schmale nicht geteerte Bergstrasse, fünf Passagiere, Bauarbeiten, lautestmögliche Musik, dabei noch telefonieren, rauchen und mit der freien Hand dem Gegenverkehr winken, und sehr seltsam agierende Bremsen – alles kein Problem für unseren Fahrer, dessen Äusseres uns bedenklich an Borat erinnerte.

Wir kamen glücklich und unbeschadet in Ramzar am kaspischen Meer an, und beschlossen, uns nach den Entbehrungen der letzten Tage eine Luxus-Villa zu mieten, zusammen mit unseren Immer-noch-Reisegspänli Matthias und Manuel. Auch wenn die Villa auf den ersten Blick nach deutlich mehr aussah als sie eigentlich war, genossen wir den sanitären Luxus und kochten uns die besten Spaghetti seit Shanghai.

Ramsar war früher die Sommerresidenz der Shahs, und ist schön gelegen zwischen Bergen und kaspischem Meer. Irgendwie passen aber Mullah-Staat und Badeferien nicht so recht zusammen (Bikini-Tschador?), und weder Strand, noch Wasserqualität noch die lokale Bevölkerung hatte es uns spontan besonders angetan. Deshalb buchten wir schon für den nächsten Tag ein Busticket nach Tabriz, unseren vorläufig letzten Stop im Iran.

Ein VIP wartet auf den Nachtbus
Ein VIP wartet auf den Nachtbus

Die Busfahrt nach Tabriz, obwohl im Luxus-VIP-Bus (Very important Passenger), war die erste und hoffentlich letzt Nachtbusfahrt auf unserer Reise.

Nach den angenehmen Temperaturen in den Bergen und am Meer wurden wir in Tabriz wieder fast erschlagen von der Sommerhitze. Auch der Ramadan wird überraschenderweise viel strenger befolgt als auf dem Land, und so hatten wir unsere Mühe, tagsüber was vernünftiges zu Essen zu finden. Dazu gesellten sich einige Deja-vus beim Anschauen der x-ten Moschee und des ebensovielten Basars. Deshalb beschlossen wir, unsere tolle Zeit im Iran nicht künstlich zu verlängern, und bereiteten unsere baldige Weiterfahrt nach Armenien vor.

Auf der Fahrt zur armenischen Grenze legten wir einen kleinen Abstecher ein, um das Kloster Sankt Stephanos zu besuchen. Sozusagen als kleine Einstimmung auf den Übertritt von der islamischen Republik in das älteste christliche Land der Welt.

Eine Einstimmung der anderen Art bot uns die Fahrt entlang der stark bewachten Grenze zwischen Iran, Aserbaidschan und Armenien. Letztere zwei Länder befinden sich formell noch immer im Kriegszustand, und die Spuren der “heissen” Phase des Krieges (bis 1994) sind deutlich erkennbar.

Schwer bewacht: Eisenbahnbrücke zur Azerbaidschanischen Enklave
Schwer bewacht: Eisenbahnbrücke zur Azerbaidschanischen Enklave

Chodafes Iran, es war super, und wir kommen wieder (wenns mal nicht so heiss und nicht so Ramadan ist).

 

Ein Gedanke zu „Ramzar, Tabris – Chodafes Iran“

  1. Liebe Nathalie, lieber Samuel,

    wir reisen bald nach Iran und sind ganz begeistert über eure Alamuttrek-Geschichte. Wir möchten gern wissen wie ihr den Organisator gefunden habt oder vielleicht noch seine Kontaktdetails habt.

    Merci, LG,
    Stijn

    ps: Wenn möglich, schreib mir bitte per e-mail.

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