Tiflis – sünnelen auf dem Balkon Europas

Immer mehr zieht es uns nach Hause, daher verabschiedeten wir uns nach zehn Tagen vom schönen Armenien und versuchten möglichst direkt nach Tiflis – der Hauptstadt Georgiens zu kommen.
Dilidschan ist ja nicht gerade ein Verkehrsknotenpunkt, daher nahmen wir den Ruckelbus ins nächstgrössere Kaff Dorf (Vanadzor). Von dort ging es nochmals per Sowjetruckelbus weiter zum Städtchen (Alaverdi) in der Nähe der Grenze. Der Bus dient nicht nur dem Transport von Personen, sondern auch als Mittel der armenischen Peperoni-Logistik. Die letzten Kilometer zur Grenze fuhr uns ein ausnahmsweise netter Taxichauffeur.

Der Grenzübergang ging erstaunlich schnell von statten (nicht einmal das Gepäck scännern wollten sie). Auf der anderen Seite fuhren leider keine Marschrutki (Minibus-Sammeltaxis à la ehemalige Sowjetunion) und so mussten wir gezwungenermassen die Dienste des unfreundlichsten Taxifahreres der Gegend in Anspruch nehmen – was für ein Kontrast zu Armenien!
Schliesslich erreichten wir mitsamt allem Gepäck und gut durchgeschüttelt unser Hostel in Tiflis.
Wie in Jerewan nahmen wir uns auch in Tiflis ein paar Tage Zeit um rumzuhängen den Blog zu aktualisieren und gemütlich die Stadt zu erkunden.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR kam der letzte Aussenminister der Sowjetunion und ehemaliger Chef der kommunistischen Partei Eduard Schewardnase an die Macht. Korruption und Vetternwirtschaft machten im nächsten Jahrzehnt Georgien zu einem der ärmsten Länder der Welt.
1993 wurden dann Parlamentswahlen durchgeführt bei denen eigentlich klar war, dass die Opposition gewonnen hatte – wenn dies auch nicht in den offiziellen Resultaten bekannt gegeben wurde. Daher kam es zu Protesten und der Rosenrevolution bei der Micheil Saakaschwili an die Macht kam. Dieser war ebenfalls ein lupenreiner Demokrat (er liess sich 2004 mit “96%” zum Präsidenten wiederwählen), führte jedoch einige Reformen durch, die der Wirtschaft förderlich waren und die Korruption eindämmten. Es heisst seit Saakaschwili könne man der georgischen Polizei trauen. Er wollte Georgien in die Nato und die EU führen, was nicht allen (den Russen) gefiel. So kam es 2008 zum bewaffneten Konflikt um Südossetien: Saakaschwili befiel einen massiven Militärschlag gegen ein paar bewaffnete Separatisten und provozierte dadurch die Russen, welche ihre Panzer nach Georgien schickten. Nach fünf Tagen zogen sich die Georgier aus Südossetien zurück und die Russen anerkannten Südossetien als unabhängigen Staat. So geht das.
Seit 2013 ist die Partei vom Milliardär Iwanischwili an der Macht, dieser gewann an Popularität als er auf eigene Kosten Strassen bauen liess. Aufgefallen ist uns als Schweizer vor allem die Popularität der Europäischen Union. Im Gegensatz zu Jerewan fühlte sich Tiflis auch sehr europäisch an.

Frisch ausgeruht machten wir uns auf in die Berge des grossen Kaukasus nach Kazbegi gleich an der russischen Grenze.

 

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